15 Jahre sind vergangen, seit der dramatischen Schließung des Kleisttheaters in Frankfurt(Oder). Das feste Ensemble des Stadttheaters wurde abgewickelt, gleichzeitig ein Neubau als Gastspielhaus bezogen. Beim TAG DES OFFENEN TORS am 16. Juli erobert FOLKSTHEATER/TEATR LUDOWY das verlorene Theater zurück. Das Projekt ist eine Kooperation der Künstler*innengruppe Club Real mit dem Kleistforum Frankfurt(Oder). Das ehemalige Kleisttheater, eine Mischung aus 20er-Jahre-Architektur und DDR-Theater-Anbauten in malerisch verwildertem Umfeld, wird geöffnet mit einem Sommerfest, einer Ensemblegründung und einer Ideenwerkstatt zur Zukunft des Areals. Club Real beschließt damit die Recherchephase eines interdisziplinären Kunstprojekts, das mit ästhetischen Arbeitsweisen Ansätze für eine kollaborative Stadtentwicklung erprobt.
Vom sprechenden Ei zum Gegentheater
Mit einem wandernden und sprechenden Ei hat Club Real Frankfurt und Slubice erkundet. Das Ei sprach mit Menschen diesseits und jenseits der Oder; es war auf Ämtern und in Wohnzimmern zu Gast, hat auf Seniorennachmittagen getanzt und andere Neuankömmlinge, z.B. Geflüchtete, begrüßt. Es hat mit Bürger*innen im Fitnessstudio trainiert, sich von Einheimischen den Ziegenwerder zeigen lassen und ein verwunschenes Gebäude entdeckt, das die älteren Stadtbewohner*innen noch als Kleisttheater kennen. Dort ist es die, kurz vor der Abwicklung des Hauses noch installierte, Rollstuhlrampe hinaufgerollt und hat sich eingenistet. Und fragt jetzt laut: „Was wollt ihr mit dem ehemaligen Kleisttheater anstellen?“
Kalter Fisch, Kunstmaschine & Ensemblegründung FEET
Zentrales Moment für den TAG DES OFFENEN TORS ist die Neugründung eines Ensembles für das ausgeblutete Haus. Gemeinsam mit Club Real werden die Besucher*innen Teil des Folkstheaterensembles/Ensemble Teatr Ludowy – kurz: FEET. Mitglied dieses bürgerengagierten Gegentheaters können alle Frankfurter*innen werden, die ihre Stadt mit neuen Ideen und künstlerischen Ansätzen verändern wollen. Jede/r ist willkommen.
FEET-Anwärter*innen durchlaufen eine Kunstmaschine, die dem gemeinsamen ästhetischen Handeln eine erste Form gibt. Sie umfasst den Bau einer eigenen Orgelpfeife für die mobile demokratische Orgel, das Erlernen und kollektive Tanzen des für öffentliche Interventionen entwickelten Heringstanzes – der Hering ist seit dem Mittelalter Symbol der Stadt Frankfurt – und mündet in die Begegnung mit dem „Kalten Fisch“ in einer „One-to-One Performance“.











