Nomadische Akademie 2021

Mit ihrem Projekt „NOMADISCHE AKADEMIE“ wird die Münchner Choreografin Anna Konjetzky die bayerische Tanzszene mit ausgewählten Tanzszenen im Ausland verknüpfen. 2019 – 2021 gastiert die Akademie für je eine Woche in Polen, Australien und Palästina, zusätzlich findet in München jährlich eine zehntägige Plattform für Knowledge-Sharing statt, die auch weitere bayerische Städte einbezieht. Die Plattformen sind modular strukturiert und richten sich mit ihren unterschiedlich für die Öffentlichkeit geöffneten Formaten an verschiedene Publika.
Die nationalen und internationalen Kooperationspartner bringen Ihre Expertise und Kompetenzen in das Projekt ein und etablieren einen Diskurs, der Themen, Körperpraxis und Impulse im Ping-Pong-Prinzip zwischen den diversen Orten und Protagonisten spielt. So soll eine andauernde theoretische Auseinandersetzung im Bereich des Tanzes ebenso befördert werden wie langfristige internationale Vernetzungen und interdisziplinäre Diskussionen.
In einer Zeit der weltweiten Rückbesinnung auf das Nationale und somit auf Grenzen und Ausgrenzung, befasst sich Anna Konjetzkys Recherche- und Netzwerkprojekt mit jenen Freiräumen, in denen Widerstand geleistet wird, die Dialog- und Handlungsmöglichkeiten bieten. Das Augenmerk liegt dabei auf der politischen Dimension des Körpers, seinen Ausdrucks- und Bewegungsformen. Diese Auseinandersetzung wird im Rahmen der Akademie immer sowohl auf körperlicher wie auf theoretischer Ebene geführt.
Das Prinzip des Nomadischen ist dabei nicht nur namensgebend, sondern konstituierend für Konjetzkys Ansatz und zeigt sich einerseits im „Wandern“ der Akademie, betrifft aber ebenso die Organisation von Wissen, die sich neben den Veranstaltungen in einer Online-Plattform realisiert. Diese hat nicht nur dokumentarische Funktion, sondern unternimmt über die Dauer des Projektes den Versuch, als zeit- und ortsunabhängiger Arbeits- und Dialograum den Teilnehmer*innen zur Verfügung zu stehen. Live und online agiert die „NOMADISCHE AKADEMIE“ so als eine Art „Flüsterpost“, die Inhalte und Praktiken sammelt, verändert, streut, anwachsen und öffentlich werden lässt.


Infos und Programm: https://nomadic-academy-ak.com 

Is Susan Lonely? // ONLINE

„Is Susan lonely?“ ist ein Tanzstück darüber, eine Idee für ein besseres Selbst zu haben sowie den Prozess, sich dieser Idee anzunähern. Dabei wird untersucht, ob die Gespaltenheit mit dem eigenen Selbst die Grundlage von Einsamkeit ist.

Aufgrund des erneuten Lockdowns in Deutschland und der Schließung aller Theater hat sich das Bühnenprojekt „Is Susan lonely?“ neu orientiert und eine aufregende Wendung genommen. Jasmine Ellis Projects präsentiert eine kinematografische Erkundung von Tanz und Musik und zeigt eine neue Perspektive auf Isolation und die Herausforderung mit dem idealen Selbst.

IETM Multi Location Meeting Munich

Wir vom Rat & Tat Kulturbüro freuen uns sehr beim diesjährigen IETM Multi-location Plenary Meeting mit von der Partie zu sein und laden Euch hiermit herzlich ein am 1. & 2. Oktober zu uns in die Labor Ateliers zu kommen. Rund um das Thema des Meetings „What matters now?“ wollen wir uns gern mit Euch austauschen & das Online-Programm des Meetings mit Euch zusammen verfolgen.

Den genauen Programmablauf findet Ihr hier: https://www.ietm.org/multi-location/munich?fbclid=IwAR1U5xBp6d8kUO8pu7ksk-ddNrak-ewbqgGZi_h6gnP-tw-jwoIF4iKqY4g
Bitte meldet Euch bei uns bis zum 24. September 2020 unter info@ratundtat-kulturbuero.de an, da wir nur begrenzte Platzkapazitäten haben.

Hirn der Finsternis

In ihrem neuen Projekt bereisen die Traummaschinist*innen das Hirn eines dementen Kapitäns und haben für diese Unternehmung ein besonderes Gelände in München ausfindig gemacht: den Hachinger Bach in Berg am Laim.

Das leere Bachbett des unterirdisch verlegten Bachs zwischen Michaelibad und Kreillerstrasse bildet eine bizarre Landschaft, die von vielen, teils vergeblichen, Gestaltungsversuchen des Menschen erzählt. Von großen Ideen und gescheiterten Plänen.

In dieser seltsamen Szenerie macht sich das Publikum auf eine Expedition zur Wrangelinsel. Leider will niemand sein Schiff für diese gefährliche Reise zur Verfügung stellen. Es bleibt nur der demente Kapitän. Er hat vergisst allerdings gern mal sowohl Weg als auch Ziel, und es ist noch nicht einmal gesichert, dass sein Boot, die Amygdala mehr ist als eine schwindende Erinnerung.

Die Suche nach dem verschwunden Weg/Bach spiegelt die Suche nach den Erinnerungen im Kopf des Kapitäns.

Mit Karten ausgestattet darf sich das Publikum im Gelände verirren und trifft auf bewegte Bilder eines Lebens- eine Reise in die Erinnerungen des Kapitäns beginnt. Wenn das Erinnern schwer fällt, was bleibt von einem Menschen? Aber auch: Was einmal für eine Generation bedeutsam war, wird abgelöst von neuen Prioritäten.
Gemeinsam rekonstruieren Performer und Publikum eine Vergangenheit und auch eine mögliche Zukunft. „Hirn der Finsternis“ ist auch Stück über Generationenwechsel und sich wandelnde Paradigmen im Fluss der Zeit.

O, Twist – ein Hörspiel mit Bildern


Vor fast 200 Jahren erfand der Schriftsteller Charles Dickens das Waisenkind Oliver Twist, das mit seinem Wunsch nach etwas mehr Essen ein ganzes System in Frage stellt.  Ein Kind ohne Familie, ohne Zuhause und ohne Rechte – zu Dickens Zeiten nichts Außergewöhnliches.

Letztes Jahr zum 30-jährigen Geburtstag der Kinderrechte haben sich Traummaschine Inc. gefragt: Was hat sich seitdem verändert und was ist geblieben? Was ist universell und steht jedem Kind zu?

Mit den Mittel des Theaters und Tricks wie Einflüsterung, Alptraumdeutung und Taschendiebstahl rekonstruierten sie gemeinsam mit ihrem jungen Publikum ein Kinder-Schicksal und gaben der Geschichte dabei einen neuen Twist. So entstand das Stück O Twist.

Dieses Jahr sollte das Stück für ein Hamburger Publikum im Fundus Theater adaptiert werden. Aus gegebenem Anlass überträgt Traummaschine Inc. das Stück in eine Hörfassung: Schon in der Münchner Version stand im Zentrum ein binaurales Audio-Erlebnis, das in der Hörspiel-Fassung auf das ganze Stück ausgeweitet wird: wenn Du Kopfhörer benutzt, hörst Du alles so, als wenn es genau um Dich herum passiert. Der Filmemacher Timo Schierhorn entwickelt eine Video-Ebene zu dem Hör-Erlebnis.

Premiere: 12. September 2020 | Pathos München

weitere Aufführungen: 12. & 15. Mai 2021 | 17:30 Uhr | Pathos München

Anthologie/Blütenlese

Anthologie/Blütenlese ist der performative Versuch, Lebensgeschichten unterschiedlicher Münchner*innen zu sammeln und so ehrlich wie möglich auf der Bühne wiederzugeben. Anknüpfungspunkt und Platzhalter für diese Darstellung sinddie Körper von vier Tänzer*innen. Sie vermitteln als Repräsentant*innen zwischen dem Publikum und den gesammelten Geschichten. So erschafft die Tanzperformance einen Kontrast zu dem glitzernden Bild, das Menschen von sich selbst ins Internet stellen. Gleichzeitig wird bezeugt, dass die Geschichten aller Menschen erzählenswert sind, nicht nur jener die große Taten vollbracht haben.

Wiederaufnahme: 22. & 23. Oktober 2021 im neuen schwere reiter. Mehr Informationen und Tickets gibt es hier.


SHE LEGEND

In ihrer Tanzproduktion She Legend begibt sich das Choreographinnen-Duo Rykena/Jüngst (Hamburg / München) auf die Suche nach den queeren Potenzialen der Comic-Welt und ihren choreographischen Übersetzungen auf die Bühne. Inspiriert durch die Bildgewalt, die abstrakten und bizarren Ausdrucksformen des Comics, verwandeln sich Lisa Rykena und Carolin Jüngst in futuristische, cyborgartige Gestaltenwandlerinnen. Sie zeichnen mit ihren Körpern dilettantische Antiheldinnen, größenwahnsinnige Charaktere und komplizenhafte Heldinnen.

Mit überzeichneter Gestik und expressiver Mimik bewegen sie sich durch imaginäre Landschaften von Mythen, Legenden und apokalyptischen Geräuschkulissen. Sie interpretieren mit ihren Körpern Superkräfte, besingen die eigenen Metamorphosen, schaffen zeitgenössische mythologische Wesen. Sie befragen ihre eigene Heldinnenhaftigkeit und verkörpern dadurch nicht-konforme Figuren im Kampf gegen die Norm maskulinisierter Einzel-Held*innen.

Um für alle Anwesenden ein möglichst sicheres Aufführungserlebnis zu garantieren, wurde in der Corona-bedingten Neubearbeitung des Stücks auf die Anwesenheit des ca. 10-stimmigen Chors verzichtet, der in der ursprünglichen Fassung des Stücks (Kampnagel Hamburg, Dez. 2019) einen wichtigen Bestandteil bildete.


RYKENA / JÜNGST

Carolin Jüngst & Lisa Rykena arbeiten seit 2016 im Kollektiv sowie als freischaffende Performerinnen und Choreographinnen in Hamburg, München und Berlin. In ihrer Arbeit beschäftigt sich das Duo Rykena/Jüngst mit queerfeministischen Körperdiskursen und der Transformation von normativen Zuschreibungen auf den Körper. Sie greifen in ihren Stücken auf klassische, mythologische oder auch popkulturelle Stoffe zurück, um neue Figuren, hybride Formen und groteske Verkörperungen zu schaffen. Ihre letzte gemeinsame Arbeit ARIE/ELLE entstand 2018 im Rahmen der Residenz „Limited Edition“ auf K3 | Tanzplan Hamburg, Kampnagel. Lisa Rykena studierte klassischen und zeitgenössischen Tanz an der HfMDK in Frankfurt am Main. Sie performte bereits in Arbeiten von William Forsythe, Zufit Simon, Ursina Tossi und arbeitet regelmäßig mit dem Choreographen Christoph Winkler zusammen. Carolin Jüngst war Teil eines Forschungsprojekts mit dem Choreographen Richard Siegal und der Göteborgs Danskompani (Oper Göteborg) und ist derzeit Stipendiatin der Claussen-Simon-Stiftung. Sie performte in Arbeiten von Marina Abramovic, Allora & Calzadilla, oder lokalen Künstler*innen wie Teresa Hoffmann.


WEBLINKS

Trailer: https://vimeo.com/383628738

https://rykenajuengst.tumblr.com

Instagram: @rykenajuengst


Physical Introduction

Online-Veranstaltung | 10. Juli 2020 | 19:00 – 20:30 Uhr | Ort: via Zoom

Der Zugang zu diesem Tanzstück soll durch einen Online-Probenbesuch erleichtert werden, bei dem die beiden Choreograph*innen mit ihrem künstlerischen Team das Stück und den Arbeitsprozess vorstellen und die Besucher*innen via Zoom zum gemeinsamen Bewegen und Austauschen einladen. Zusammen werden choreographische, tänzerische und stimmliche Ideen und Konzepte aus dem Stück erprobt und ein experimenteller, dilettantischer und freudiger Umgang damit gefunden. Die Bewegungseinführung eignet sich für alle interessierten Menschen, für neugierige Profis sowie für Laien und für Körper jeglicher Voraussetzung.

Die Teilnahme an der Physical Introduction ist kostenfrei. Anmeldung unter: vermittlung@theaterbueromuenchen.de

Playground: lockdown sketches

In Zeiten der Corona-konformen Kunst zeigen Anna Konjetzky, Sahra Huby und Quindell Orton in Anna Konjetzlys Playgroung mit ihren „lockdown sketches“ was sie als „Infektionsgemeinschaft“ in den letzten Monaten beschäftigt hat. Im Zentrum stehen dabei vor allem Sahra Hubys Zeichnungen sowie die körperliche Auseinandersetzung mit der außergewöhnlichen Situation.

DIVE. A CELEBRATION

Der Körper ist ein politischer Schauplatz: Er symbolisiert Macht, Ohnmacht, Status und Zugehörigkeit. Mit und durch ihn kreieren wir unsere soziale und kulturelle Identität – genauso wie wir sie auch anderen zuschreiben. Individuen werden so zu Gruppen. Die Gesellschaft zerlegt sich in Segmente. Es entstehen homogene Räume, die Anderes ausschließen und den Einzelnen im Kreislauf von Peergroups und Filterblasen festhalten. In diesem Spannungsfeld zwischen der Sichtbarmachung von Unterschieden und der Herstellung von Gemeinschaft ist „DIVE. A Celebration“ angesiedelt. Die neue Produktion von Anna Konjetzky entfaltet Identität gleichzeitig als permanente Konstruktion und als Dekonstruktion sich überschneidender, parallel ablaufender Handlungen, Selbst- und Fremdzuschreibungen. Die Wahrnehmung und Einschätzung der einzelnen Protagonisten wandert, verschiebt sich, wird zum Kostüm oder zur unabstreifbaren Haut. Mit den künstlerischen Mitteln von Choreografie, Musik und Sprache werden Stereotypen und Identitäten gesampelt, gemixt und gescratcht, bis ein neuer, kollektiver Beat entsteht. „DIVE. A Celebration“ fragt nach einem Gemeinsamen, das nicht auf Ähnlichkeit basiert, sondern trotz oder gerade wegen der Unterschiede entstehen kann. Mit einer Crew von sieben in Südafrika und Deutschland lebenden Performer*innen feiert die in München lebende Choreografin ein Fest der Heterogenität.

Wo komme ich her?

Installatives Projekt nun als Film:
Wo komme ich her? 
Gehen – von Rumänien nach DeutschlandEtappe 1 Săcălaz – Szeged

Im Gehen, im Zurückgehen, forscht Judith Hummel nach ihrer eigenen Herkunft und legt eine Spur um die Felder Erinnerung und Körper. Auf mehreren Etappen verfolgt sie, begleitet von ihrer Mutter Margret und der Kamerafrau Laura Kansy, die Route ihrer Großmutter, die 1944 von Rumänien nach Deutschland flüchtete. Im Juni 2019 gehen sie die erste Teilstrecke von Săcălaz, dem Heimatdorf der Großeltern, bis nach Szeged in Ungarn. Aus Material, das unterwegs aufgenommen wird, entsteht eine Installation mit Video, Klang, Erinnerungs­stücken und Live-Momenten. Coronabedingt hat die Arbeit eine Wendung erfahren: Es ist ein Film entstanden – eine Dokumentation der szenischen Momente, der Bilder und Klänge im Raum – und doch eine neue, eigene Arbeit.