ANTIGONE Archivoper

Sophokles‘ Antigone ist eine der meist-analysierten und -interpretierten Tragödien überhaupt. Aber die Galionsfigur ist erschöpft. Antigone will durchlebt werden, nicht abgebildet. Sie ist nicht nur unser Material, sondern Modell – Blaupause einer künstlerischen Praxis der Selbstermächtigung.

17 KünstlerInnen entwickeln Positionen und unterschiedliche Formate, die schließlich miteinander in Resonanz treten: Animation, Video, Choreografie, Text, Skulptur und Musik treffen aufeinander, formen an 3 Aufführungsabenden ein temporär verdichtetes Netzwerk, das unter gemeinsam getroffenen Abmachungen existieren will. Wir treffen uns in ANTIGONE als einem Ort, an dem vielstimmige Positionen beginnen zu kommunizieren, sich gegenseitig zu beeinflussen, sich zu verformen. Mit ANTIGONE beleben wir das rendevouz3000-Archiv und schreiben uns gemeinsam darin ein.

Die jeweils von den KünstlerInnen ins Spiel gebrachten Standpunkte reihen sich nebeneinander, hintereinander, sie durchdringen einander und behaupten sich in ihrer Souveränität. Wir begegnen uns in der geronnenen Version einer Oper, in einem kollektiven Prozess in dem Konflikte ausgehalten und verhandelt werden.

„Das ist kein Staat der nur einem gehört.
Allein herrschst du am besten in der Wüste.“

Schau mer mal 19|20

In München gibt es eine große Bandbreite an kulturellen Angeboten. Neben dem Oktoberfest und dem FC Bayern hat die Landeshauptstadt einiges an Freizeitaktivitäten und Aufführungen zu bieten. Doch gerade in der darstellenden Kunst bekommt das Münchner Publikum oft nur die großen Häuser mit: Das Residenztheater, die Kammerspiele und das Volkstheater, genau wie die Bayerische Staatsoper und das Gasteig. Es gibt jedoch auch eine florierende Freie Szene der Darstellenden Künste, die sich auf die ganze Stadt verteilt und in den verschiedensten Formaten Aufführungen anbietet. Diese Aufführungen zeigen nicht nur die große Diversität der darstellerischen und erzählerischen Möglichkeiten, sondern bespielen auch unterschiedlichste Räume und Häuser.

Das Vermittlungsprogramm Schau mer mal hat sich zur Aufgabe gemacht, ausgewählte Aufführungen der Freien Szene Münchens sichtbarer zu machen und einen Dialog anzuregen zwischen der Münchner Stadtgesellschaft und ihren Künstler*innen. Durch Führungen, Einführungsgespräche und Vermittlungsformate sollen die unterschiedlichen performativen Herangehensweisen zugänglicher werden und die Aufführungsorte auf den Stadtplan gesetzt.

Vorgespräch am 27. September 2019 | 20:00 Uhr Foyer des HochX Theater und Live Art | Entenbachstraße 37 | München 

Ruth Geiersberger, die grande dame der Münchner Performancekunst, beschäftigt sich ihrer nächsten Arbeit mit Botanik: Wie kommunizieren Pflanzen? Und was können wir von ihren Kommunikationsstrategien lernen? Gemeinsam mit einem Team von WissenschaftlerInnen und KlangkünstlerInnen nimmt die Performerin in den Gewächshäusern des botanischen Gartens diese Phänomene unter die Lupe und lädt das Publikum zum Innehalten und Beobachten ein. In einer Einführungsveranstaltung am 27. September 2019 im Foyer des HochX gibt Ruth Geiersberger zudem einen Einblick in ihre experimentelle und interdisziplinäre Herangehensweise. Ihre Arbeiten, von ihr selbst „Verrichtungen“ genannt, sollen Inspiration und Anregung schöpfen und weitergeben. Hier werden Räume geschaffen, die das Denken sinnlich erfahrbar machen und zum genauen Hinschauen und Hinhören auffordern. 

Aufführungen: 04. – 06. Oktober 2019  
Uhrzeit: 19:00 Uhr 
Ort: in den Gewächshäusern des Botanischen Gartens München Nymphenburg 
www.verrichtungen.de

Ein Tanz-Mashup, ein Bastard-Pop aus 1000 Diebstählen: In AUTOPLAY wird die copy & paste Taste zum Leitmotiv. Jede Bewegung, jeder Ton, jedes Bild ist ein „objet trouvé“ aus dem World Wide Web. Von zeitgenössischer Choreografie bis zum Harlem Shake, vom Videogame Fortnite bis zur Shampoo-Werbung, vom Selfie-Style auf Istagram bis zur global vermarkteten Pose von Michelangelos David – alles wird neu kombiniert, reorganisiert und gemixt. Mit AUTOPLAY schickt Moritz Ostruschnjak das Publikum in einen Raum aus Hyperlinks, die zum Bild des (digitalen) Daseins im 21. Jahrhundert verschmelzen – Utopie und Konsumterror, Subkultur und Populismus sind dabei immer nur einen Klick voneinander entfernt.

Das Kreativquartier beherbergt viele kulturelle Initiativen, Probenmöglichkeiten und Aufführungs- sowie Ausstellungsorte. Bei einem Spaziergang, geleitet von den Mitarbeiterinnen des Quartiersbüros, werden ausgewählte Orte besichtigt und deren Geschichte sowie aktuelle Nutzung näher erläutert. Anschließend wird Moritz Ostruschnjak eine Einführung in AUTOPLAY geben und einen kleinen Einblick in den Aufwärmprozess der Tanzenden ermöglichen.

Vorstellungen: 14. – 16. November 2019
Uhrzeit: 20:30 Uhr
Ort: Schwere Reiter | Dachauer Straße 114 | 80636 München
www.moritzostruschnjak.com

everything blue ist eine gemeinschaftliche Performance, die von zwei Perspektiven bestimmt wird. Die Münchner Choreografin Jasmine Ellis mit kanadischen Wurzeln trifft künstlerisch auf den in Wien lebenden brasilianischen Choreografen Evandro Pedroni. Beide tauchen ein in Strukturen und Symptome unserer Interaktionen. Wie steht es aktuell um die Kommunikation zwischen den Generationen? Wie wird Freundlichkeit oder deren Ausbleiben unbewusst zwischen den Generationen übertragen? Die Performance beleuchtet unterschiedliche Aspekte von Kommunikation und die darin liegenden Herausforderungen. Im Kontakt miteinander bricht das gegenseitige Interesse die eigenen vorgezeichneten Sichtweisen auf. Die kollaborativ erarbeitete Tanzperformance wird in zwei interagierenden Teilen erlebbar, die sich inhaltlich und choreografisch gegenseitig bereichern und ergänzen.

Schau mer mal, das Vermittlungsprogramm für die Freie Szene München, bietet einmalig die Möglichkeit, den Probenprozess der bevorstehenden Tanzperformance everything blue von Jasmine Ellis und Evandro Pedroni kennen zu lernen. Bei einem Probenbesuch am 09.1. gewährt die Produktion Einblick in ihren unfertigen Arbeitsstand und kommt mit den Besucher*innen ins Gespräch über Themensetzung, Inhalte und Herausforderung der Arbeit. Außerdem wird im Anschluss an die zweite Vorstellung am 17.1. ein Nachgespräch mit dem künstlerischen Team angeboten. 

Beide Formate finden auf Deutsch und Englisch statt. Die Teilnahme ist kostenlos. Anmeldung unter info@ratundtat-kulturbuero.de

Vorstellungen: 15., 17. & 18. Januar 2020
Uhrzeit 20:00 Uhr
Ort: HochX Theater und Live Art | Entenbachstraße 37 | München

In ihrer Tanzproduktion SHE LEGEND begibt sich das Choreographinnen-Duo Rykena / Jüngst (Hamburg / München) auf die Suche nach den queeren Potenzialen der Comic-Welt und ihren choreographischen Übersetzungen auf die Bühne. Inspiriert durch die Bildgewalt, die abstrakten und bizarren Ausdrucksformen des Comics, verwandeln sich Lisa Rykena und Carolin Jüngst in futuristische, cyborgartige Gestaltenwandlerinnen. Sie zeichnen mit ihren Körpern dilettantische Antiheldinnen, größenwahnsinnige Charaktere und komplizenhafte Heldinnen. 

Mit überzeichneter Gestik und expressiver Mimik bewegen sie sich durch imaginäre Landschaften von Mythen, Legenden und apokalyptischen Geräuschkulissen. Sie interpretieren mit ihren Körpern Superkräfte,besingen die eigenen Metamorphosen, schaffen zeitgenössische mythologische Wesen. Sie befragen ihre eigene Heldinnenhaftigkeit und verkörpern dadurch nicht-konforme Figuren im Kampf gegen die Norm maskulinisierter Einzel-Held*innen.

Um für alle Anwesenden ein möglichst sicheres Aufführungserlebnis zu garantieren, wurde in der Corona-bedingten Neubearbeitung des Stücks auf die Anwesenheit des ca. 10-stimmigen Chors verzichtet, der in der ursprünglichen Fassung des Stücks (Kampnagel Hamburg, Dez. 2019) einen wichtigen Bestandteil bildete.

Der Zugang zu diesem Tanzstück soll durch einen Online-Probenbesuch erleichtert werden, bei dem die beiden Choreograph*innen mit ihrem künstlerischen Team das Stück und den Arbeitsprozess vorstellen und die Besucher*innen via Zoom zum gemeinsamen Bewegen und Austauschen einladen. Zusammen werden choreographische, tänzerische und stimmliche Ideen und Konzepte aus dem Stück erprobt und ein experimenteller, dilettantischer und freudiger Umgang damit gefunden. Die Bewegungseinführung eignet sich für alle interessierten Menschen, für neugierige Profis sowie für Laien und für Körper jeglicher Voraussetzung.

Who is Frau Troffea?

Straßburg, im Sommer 1518: eine Frau beginnt auf der Straße zu tanzen. Frau Troffea, wie die Quellen sie nennen, tanzt und tanzt. Stundenlang. Mehrere Tage. Über Monate. Andere tun es ihr nach. An die 400 Menschen sollen es gewesen sein, die tanzen, bis sie vor Erschöpfung und Schmerzen zusammenbrechen. Manche sterben. Dieser Tanzexzess ging als »Straßburger Tanzwut von 1518« in die Geschichte ein. Über die Gründe rätselt man bis heute. Neuere Forschungen vermuten in dem Tanztaumel eine Reaktion auf unsichere Zeiten. Nach den individuellen, emotionalen Gründen für das Tanzen sucht auch die Wahlmünchnerin Ceren Oran. Ihr Tanzmarathon – 10 Tage à 7 Stunden an unterschiedlichen Plätzen – speist sich aus Bewegungssequenzen, die sozial, politisch oder persönlich inspiriert sind und untereinander geteilt werden. Geteilt werden auch Materialien und Kommentare auf www.whoisfrautroffea.com.

Mit der Uraufführung Who is Frau Troffea? bei DANCE 2019 präsentiert die 1984 in Istanbul geborene Tänzerin, Choreografin und Soundpainterin ein weiteres Ergebnis ihrer andauernden Recherche zum erschöpften beziehungsweise sich erschöpfenden Körper. In ihrem Stück Rush Hour (2017) trieben Laufbänder die PerformerInnen bis an ihre Grenzen und darüber hinaus. Wie weit kann ein Körper gehen? Wie lange können die Tanzenden die performative Qualität aufrechterhalten? Während sich die Choreografie über acht Stunden lang anreichert, lassen die Körper mehr und mehr nach. Zufällig vorbeikommende PassantInnen und zielgerichtetes Publikum sind konfrontiert mit zunehmend abgekämpften Tänzerinnen und Tänzern. Sie tauchen während des Festivals an unterschiedlichen Plätzen Münchens auf. (Infos auf: www.whoisfrautroffea.com)

Ihre Interventionen in den sozialen Alltag der Stadt nehmen Bewegungsmotive politischer Proteste auf, die ikonisch geworden sind: die junge Frau Jan Rose Kasmir, die während der Anti-Vietnamkriegsdemonstrationen 1967 mit einer Blume vor der amerikanischen Nationalgarde stand, der Tank Man, der sich mit zwei Einkaufstüten in den Händen vor die Panzer auf dem Platz des Himmlischen Friedens stellte, und der Standing Man, dessen Bild 2013 vom Taksim-Platz aus um die Welt ging. Zudem recherchierte Ceren Oran, die ihr Studium 2006 mit einem MA in International Choreographic Exchange am Salzburger SEAD abschloss, warum Menschen überhaupt tanzen. Die TänzerInnen ihres internationalen und multiethnischen Teams ließen ihre eigenen Geschichten und Erfahrungen einfließen. Je persönlicher ihr Tanz, umso überzeugender, sagt Ceren Oran. Ihr Kernteam stammt aus Deutschland, der Slowakei, der Türkei, Israel und Kolumbien. Ergänzt wird es um Studierende von SEAD – Salzburg Experimental Academy of Dance. Die Musik für Who is Frau Troffea? stammt vom Komponisten und DJ Hüseyin Evirgen, der viel Erfahrung mit Langzeit-Live-Acts hat. Eine mehr als acht Stunden dauernde Techno-Landschaft funktioniert ohne Sampler oder Computer auf elektronischen Musikinstrumenten und via Sound-Generatoren. Das vorproduzierte Material, eine Art Rohversion, wird in einem Take gespielt und aufgenommen. Spezielle Soundsignale orientieren die TänzerInnen und hre Körper in Leidenschaft und Erschöpfung, in Dynamik und Stille.

DIVAS! Manon, Tosca, Minnie – Eine Trilogie nach Giacomo Puccini

Die junge Performance-Künstlerin Lulu Obermayer zeigt zum ersten Mal ihre Puccini-Trilogie an zwei Abenden: Manon Lescaut, Tosca und The Girl(s) of the Golden West. In ihren Arbeiten bedient sie sich am dramatischen Kanon und isoliert Frauenfiguren aus ihren Handlungen mit dem Ziel, ihnen Sein und Eigensinn zu gewähren. Anhand der Beispiele Manon, Tosca und Minnie wird weibliche Existenz in der Oper dekonstruiert und neu verhandelt. Dabei überlappen sich der emotionale und theatrale Apparat unter Verwendung von Elementen aus Oper, Film, Choreografie und Performance.

In Manon Lescaut, 2017 an den Münchner Kammerspielen uraufgeführt, verwendet Lulu Obermayer die letzte Arie vor Manons Tod und ersetzt das Orchester durch ihre Stimme. Es ergibt sich ein chorisches Ich, welches gegen den Tod ansingt. Die Aussage „Ich will nicht sterben!“ wird in der Wiederholung zu einem Ausdruck des „Am Leben-Seins“. Manon läuft gegen die Zeit, verhält sich widerständisch gegen das operntypische Narrativ des weiblichen fetischisierten Todes auf der Bühne und reflektiert in einer multimedialen Performance über die Möglichkeiten einer weiblichen/menschlichen Existenz auf der Bühne und in der Wüste.

In Tosca (2016) werden 9 Takte der Arie Vissi D´Arte isoliert und geloopt. Es findet ein Duett zwischen der Performerin und den Lautsprechern statt, das Toscas Maxime reflektiert: Was bedeutet ein Leben für die Kunst, für die Liebe? Ist das überhaupt möglich? Und ist es nicht unvermeidlich, jemandem zu schaden? Tosca wurde bereits in Brüssel, Bordeaux und Berlin gezeigt und ist nun zum ersten Mal in München zu sehen.

Die dritte Puccini-Oper La Fanciulla del West spielt während des kalifornischen Goldrausches 1849/50. Hier trifft Oper auf Westernfilm: The Girl(s) of the Golden West bricht mit gängigen Darstellungen in beiden Genres. Anstelle des einsamen Cowboys wird die western- und opernuntypische Protagonistin Minnie auf ihr feministisches Potential untersucht. Lulu Obermayer schreibt sich in ihrer autofiktionalen Solo-Performance, die 2018 im HochX uraufgeführt wurde, in den Mythos der Vereinigten Staaten ein, die sich mit dem Innenleben der fiktionalen Figur der Minnie und der Biografie der Künstlerin überlagert – eine weibliche (Traum-)Landschaft zwischen Realität und Fiktion.

„Zu fassen ist Lulu Obermayer nicht, aufzuhalten schon gar nicht. Selbst wenn sie nicht vom Fleck kommt, bietet sie sich opernumtost und bewegend an: als einsame Projektionsfläche feministischer Freiheitsträume.“ (Abendzeitung)

Toni is lonely

Ein Schauspieler unter TänzerInnen. So bewegungsbegabt Toni auch sein mag und so sehr er sich bemüht, ein Teil der Tanzwelt zu sein, er ist unbestreitbar unterschiedlich.

Toni is lonely ist eine Tanz-Theater-Performance, in der die einsamsten Momente des Lebens erforscht werden. Erzählt wird dies von einem Mann in einem Tanzstück, der kein Tänzer ist. Das offensichtliche physische Gefälle nutzt die in München lebende kanadische Tänzerin und Choreografin Jasmine Ellis als Chiffre für den Wunsch, sich mit anderen zu verbinden. Wie das Stück Empathy (2017) entstand auch Toni is lonely in enger Kollaboration aller Beteiligten. Hier sind vier KontrabassistInnen mit auf der Bühne und kommentieren mit ihrer Musik das Geschehen.

Jasmine Ellis zitiert eine US-amerikanische Studie, nach der ein Viertel der befragten Personen die Zahl ihrer Vertrauenspersonen mit „Null“ angaben, was die häufigste Antwort auf diese Frage war. Wie hängt diese Beobachtung mit unserer ständigen Präsenz und Verfügbarkeit in den sozialen Medien zusammen? Isolieren wir uns eher, als um Hilfe zu bitten? Wie viel an Gemeinschaft und Gemeinsamkeit ist überhaupt noch möglich? Fragen wie diese bilden den Hintergrund für Jasmine Ellis Stück Toni is lonely, das den Theaterschauspieler Philip Dechamps einem Tanz-Environment aussetzt. Je virtuoser die TänzerInnen agieren, desto manifester wird sein Unvermögen und doch baut er die emotionale Brücke ins Publikum.

Wie nebenbei kontrastiert Jasmine Ellis, die in Toronto und bei Codarts in Rotterdam studiert und unter anderem für Constanza Macras / Dorky Park getanzt hat, bundesdeutsche Postdramatik mit nordamerikanischer Tanztradition.

100 Jahre 100 Pfade 100 Leute

Vor 100 Jahren machten die Münchner*innen Revolution. Sie „standen an der Schwelle zu etwas ganz Großem, etwas, was noch nie dagewesen war“. Endlich Meinungsfreiheit, endlich Mitbestimmung, endlich Demokratie! Doch wie funktioniert das eigentlich? Was ist davon noch übrig, was längst verschwunden? Und was sollten wir dringend mal wieder einfordern?

AKA:NYX aus München und PandoDrama aus Budapest laden in vier verschiedenen partizipativen Theaterformaten zum Mitdenken, Mitmachen und Mitschreien ein.

16.03. „Bill Of Rights Assembly“ mit Anna Lengyel (PanoDrama), Verfassungskonvent und Happening im Kulturzentrum Giesinger Bahnhof, 11 – 19 Uhr

Reenactment „Alles ist möglich“ in der Bayern LB, Brienner Straße 18, 18 Uhr

Reenactment „Giesinger Schlachten“, Treffpunkt vor dem Kulturzentrum Giesinger Bahnhof, 18 Uhr

Konsul Bernick muss nochmal nochmal ran

Mit Konsul Bernick muss nochmal nochmal ran bringt Andreas W. Kohn den Stoff seines Debüts in einer radikalen Bearbeitung wieder auf die Bühne des HochX.
Konsul Bernick ist die Hauptfigur aus Henrik Ibsens Drama Die Stützen der Gesellschaft. Er ist moralische Instanz, starker Mann und erster Diener des Gemeinwesens zugleich. Tatsächlich jedoch erweist sich sein ganzes Handeln als ein großer von Machtgier und Profitstreben geleiteter Betrug. Männerfiguren wie Bernick sind gerade überall präsent – was heißt das für unser Vertrauen in die Politik?
Konsul Bernick muss nochmal nochmal ran ist eine Lesung als Endzeit-Western-Show, inszeniert mit der Sängerin und Gitarristin Martine-Nicole Rojina und der Performerin und Klangkünstlerin Isabelle Cohn.

Bad Lemons Project

Die Initiative Bad Lemons bietet ein kontinuierliches, bezahlbares und professionelles zeitgenössisches Tanztraining in München an. Wir sind stolz darauf, spannende und international renommierte Künstler*innen dafür nach München zu holen. Ebenso laden wir alternierend Tanzschaffende aus München zum „Local Exchange“ Training ein. Die Aktuellen Gastlehrer*innen sind hier zu finden: www.badlemonsdance.com

Die Unterrichtsreihe findet zweimal im Monat, von Montag bis Freitag, 9.30 – 11 Uhr in den Studios T29 dance space statt.

Jeder dieser einwöchigen Trainingsblöcke wird von einem anderen internationalen Gastlehrer*in bzw. Münchner Tanzkünstler*in unterrichtet und findet auf hohem, professionellem Niveau statt. Die Fortführung einer bezahlbaren professionellen Ausbildung in München bereichert und stärkt die Netzwerkstrukturen und den künstlerischen Austausch sowohl innerhalb Münchens als auch mit ausländischen internationalen Tänzer*innen und Choreograph*innen.

Die Kontinuität der professionellen Ausbildung ermöglicht es der zeitgenössischen Tanzszene in München, lebendig und aktiv zu bleiben und stärkt die Gemeinschaft von Tänzerinnen und Choreograph*innen durch die Bereitstellung eines regelmäßigen Treffpunkts.

Das Training von Bad Lemons knüpft an den Erfolg des Munich DancePAT an, der 2016-2018 unter der Leitung von Jasmine Ellis & Katrin Schafitel professionelles Training für die Community angeboten hat. Bad Lemons strebt an, diese Idee für die Tanz-Community fortzusetzen. Im Jahr 2022 und 2023 wurde und wird Bad Lemons von Susanne Schneider kuratiert.

Frau F. hat immer noch Angst

Alle haben Angst, noch immer. Angst vor dem sozialen Abstieg. Vor der Aberkennung hart erkämpfter (oder schon immer dagewesener) Privilegien. Vor dem Verschwinden der Sicherheit und vertrauter Werte. Vor Überfremdung und Identitätsverlust: Alle haben Angst.
In seinem neuesten Stück Frau F. hat immer noch Angst erzählt Regisseur und Autor Emre Akal eine Geschichte der Angst und jener Mechanismen, die Menschen dazu treiben, sich für Besitzstandswahrung und Orientierung in einer zunehmend komplexeren Welt zu radikalisieren und abzuschotten. Die Geschichte einer Kolonie, zusammengerottet an einem letzten friedlichen Ort: Dem Ort der Aufbewahrung der eigenen Kultur und Identität, fern ab vom Fremden, fern ab von der Angst. Ein zerbrechlicher Mikrokosmos der scheinbaren Sicherheit, der einen Schutz vor äußeren Einflüssen bietet. Die Welt draußen mag brennen, doch hinter verschlossenen Türen steht die Zeit still: Die Waffe Angst bewegt, lähmt und manipuliert die Massen.

Radikal bildgewaltig und musikalisch untersucht Frau F. hat immer noch Angst die Mechanismen gesellschaftlicher Umwälzungen unter dem Einfluss wiedererstarkender völkischer Diskurse: ein surreal-alptraumhafter Ausblick auf eine allzu denkbare nahe Zukunft.

PAT / Schau mer mal

In München gibt es eine große Bandbreite an kulturellen Angeboten. Neben dem Oktoberfest und dem FC Bayern hat die Landeshauptstadt einiges an Freizeitaktivitäten und Aufführungen zu bieten. Doch gerade in der darstellenden Kunst bekommt das Münchner Publikum oft nur die großen Häuser mit: Das Residenztheater, die Kammerspiele und das Volkstheater, genau wie die Bayerische Staatsoper und das Gasteig. Es gibt jedoch auch eine florierende Freie Szene der Darstellenden Künste, die sich auf die ganze Stadt verteilt und in den verschiedensten Formaten Aufführungen anbietet. Diese Aufführungen zeigen nicht nur die große Diversität der darstellerischen und erzählerischen Möglichkeiten, sondern bespielen auch unterschiedlichste Räume und Häuser.

PAT / Schau mer mal hat sich zur Aufgabe gemacht, ausgewählte Aufführungen der Freien Szene Münchens sichtbarer zu machen und einen Dialog anzuregen zwischen der Münchner Stadtgesellschaft und ihren Künstler*innen. Durch Führungen, Einführungsgespräche und Vermittlungsformate sollen die unterschiedlichen performativen Herangehensweisen zugänglicher werden und die Aufführungsorte auf den Stadtplan gesetzt.

Alle Veranstaltungen sind bewusst kostenfrei, um den Fokus und die Honorierung ganz bei den beteiligten Aufführungen und Künstler*innen zu behalten.


NUMMER 3 – MÜNCHNER SCHICHTEN #4

LESUNG UND GESPRÄCH: 27. Februar 2019
Münchner Literaturbüro / Milchstraße 4 / 81667 München

Welche Geschichten braucht unsere Stadt?Eine Einladung zum Stadtgespräch über München

Die Theaterserie „Münchner Schichten“ untersucht in 8 Folgen und an 4 Orten das Münchner Stadtleben und wie man heute darüber erzählen kann. Kurz vor den finalen Folgen in einem Fitnessstudio sollen die bisher aufgekommenen Fragen nun mit Münchner*innen offen diskutiert werden: Welche Geschichten aus München wollen wir erzählen? Welche Erzählungen über München brauchen wir? Wie soll unsere Stadt literarisch präsentiert werden?

Die Autoren Jan Geiger und Leander Steinkopf lesen aus ihren Folgen und führen anschließend zusammen mit „Münchner Schichten“-Mitgründerin Raphaela Bardutzky ein Gespräch mit allen Besucher*innen. Moderiert von Martina Missel, Einführung und Schlussworte von Katharina Happ (Münchner Literaturbüro).

 

MÜNCHNER SCHICHTEN

Raphaela Bardutzky, Barbara Te Kock, Benno Heisel und Theresa Seraphin

Eine Theaterserie an 4 Abenden

1. Folge: The Lovelace / 07.11.2018 / 19.30 Uhr & 22:00 Uhr 2. Folge: Der Co-WorkingSpace / 06.12.2018
3. Folge: Das private Treppenhaus / 25.01.2019
4. Folge: My Sport Lady / 02.03.2019

In der 80er Jahren waren Helmut Dietls „Münchner Geschichten“ Straßenfeger. Seitdem hat sich die Stadt massiv verändert. Wie und was kann man heute über sie erzählen? Das untersucht in der Theaterserie Münchner Schichten ein achtköpfiges Autor*innenteam. Jede Folge der Theaterserie hat ihren eigenen Fokus, der sich auf einen spezi schen sozialen und politischen Aspekt des Münchner Stadtlebens richtet. Ensemble, Regie und Inhalt entwickeln sich dabei Abend für Abend weiter. Aufgeführt wird site-specific, jeder Abend spielt an einem anderen, auf spezielle Weise typischen Ort der Stadt. Im November werden die ersten zwei Folgen im Rahmen des Festivals Politik im Freien Theater zu sehen sein, danach werden bis Februar 2019 weitere Folgen aufgeführt.


NUMMER 2 – FRAU F. HAT IMMER NOCH ANGST von Emre Akal

EINFÜHRUNGSVERANSTALTUNG: 12. Januar 2019 (tbc) / 14:00 – 15:30 Uhr
HochX Theater und Live Art / Entenbachstraße 37 / 81541 München

Einführung des Dramaturgen Kai Krösche zur aktuellen Theaterarbeit von Emre Akal sowie einer FÜHRUNG durch die geschichtsträchtigen Räumedes HochX Theaters. Wie und wo pro- duziert die Münchner freie Szene heute Theater? Unter welchen Bedingungen arbeiten die Künstler*innen?

AUFFÜHRUNGEN: 15./17./18./19./20.01.2019 / 20:00 Uhr / HochX Theater und Live Art

KÜNSTLER*INNENGESPRÄCH: 17. Januar 2019 / Im Anschluss an die Vorstellung / HochX Theater und Live Art

Alle haben Angst, noch immer. Angst vor dem sozialen Abstieg. Vor der Aberkennung hart er- kämpfter (oder schon immer dagewesener) Privilegien. Vor dem Verschwinden der Sicherheit und vertrauter Werte. Vor Überfremdung und Identitätsverlust: Alle haben Angst.

In seinem neuesten Stück Frau F. hat immer noch Angst erzählt Regisseur und Autor Emre Akal eine Geschichte der Angst und jener Mechanismen, die Menschen dazu treiben, sich für Besitzstandswahrung und Orientierung in einer zunehmend komplexeren Welt zu radikalisieren und abzuschotten. Die Geschichte einer Kolonie, zusammengerottet an einem letzten friedlichen Ort: Dem Ort der Aufbewahrung der eigenen Kultur und Identität, fern ab vom Fremden, fern ab von der Angst. Ein zerbrechlicher Mikrokosmos der scheinbaren Sicherheit, der einen Schutz vor äußeren Ein üssen bietet. Die Welt draußen mag brennen, doch hinter verschlossenen Türen steht die Zeit still: Die Waffe Angst bewegt, lähmt und manipuliert die Massen.

Radikal bildgewaltig und musikalisch untersucht Frau F. hat immer noch Angst die Mechanismen gesellschaftlicher Umwälzungen unter dem Einfluss wiedererstarkender völkischer Diskurse: ein surreal-alptraumhafter Ausblick auf eine allzu denkbare nahe Zukunft.


NUMMER 1 – THE VERY MOMENT von Anna Konjetzky

TANZVERMITTLUNG: 11. Dezember 2018 / 18:00 – 20:00 Uhr
Tanztendenz München / Lindwurmstraße 88 / 80337 München

AUFFÜHRUNGEN: 20./21.12.2018 / 20:00 Uhr / Münchner Kammerspiele

KÜNSTLER*INNENGESPRÄCH: 21.12.2018 / Im Anschluss an die Vorstellung / Münchner Kammerspiele

THE VERY MOMENT, das neue Tanzstück der Choreographin Anna Konjetzky, holt den fragi- len und uneffizienten Körper auf die Bühne und befragt den gesellschaftlichen Umgang mit ihm. Wie in einem Spiel treten fünf Tänzer*innen gegeneinander an. Sie testen ihre Grenzen, arbeiten gegen krampfende Muskeln, gehen mit Balanceverlust um, geraten aus dem Tritt, fallen, geben auf und beginnen erneut. Inspiriert durch youtube-Videos, die stürzende Menschen ausstellen − vom torkelnden Besoffenen bis zum entkräftet Marathonläufer −, löst das Ensemble Stürze aus ihren Kontexten und analysiert und kommentiert deren körperliche Verläufe.

Der Zugang zu diesem Tanzstück soll inhaltlich durch ein Gespräch mit der Choreografin Anna Konjetzky erleichtert werden. Jedoch lässt sich Tanz nur bedingt in Worten fassen und beschreiben. Daher gibt die Tänzerin Sarah Huby zudem eine somatische Einführung in den Abend – zum Mitmachen und Mittanzen. Hier wird den Besucherinnen und Besuchern ermöglicht, ihrer eigenen Fragilität nachzuspüren und die Inhalte und Bewegungen von THE VERY MOMENT körperlich zu begreifen. Diese „Bewegungs“-Einführung ist für Menschen jeglicher körperlicher Voraussetzungen zugeschnitten und gerade für Tanz-Laien entwickelt worden


(Foto: Edwin Andrade / unsplash)