Mathis Nitschkes Musiktheater MAYA inszeniert die letzte Industrieruine Münchens, das ehemalige Heizkraftwerk Aubing, als archäologische Ausgrabungsstätte. Über eine Augmented-Reality-App am eigenen Smartphone begibt sich der Zuschauer in die Perspektive einer in ferner Zukunft wieder entstandenen Zivilisation und staunt über den Niedergang unserer heutigen Menschheit in naher Zukunft.
Wer werden wir gewesen sein? MAYA ist ein Science-Fiction-Abenteuer auf mehreren Realitätsebenen. In der Ruine des Aubinger Heizkraftwerks entdecken die Zuschauer*innen auf ihren Smartphones und Tablets rätselhafte Spuren. Es sind Überbleibsel einer vergangenen Zukunft, in der Mensch und Maschine zu einer Einheit verschmolzen waren: Ein digitaler Friedhof deutet auf den Niedergang hochentwickelter menschlicher Avatare. Wer sind sie? Woher kommen sie?
„Maya“ ist das einzige Wesen an diesem Ort, das Auskunft geben könnte. Sie ist die Letzte ihrer Art und der Schlüssel zu einer digitalen Anderwelt. „Maya“ hat einen Auftrag. Gelingt es ihr, den Cyberspace und damit sich selbst und die Menschheit zu retten?
Der Münchner Komponist und Theatermacher Mathis Nitschke überträgt in MAYA den Kern dessen, was Oper ausmacht, in die Gegenwart: Rausch, Ekstase und Bewusstseinserweiterung durch Musik, Sound, Licht und digitale Kunst. MAYA verbindet Oper und Techno. Beides steht für ein kraftvolles Sich-Auflehnen: Gegen den Tod. Gegen die Einsamkeit. Für ein Leben ohne Limits. Für die Verheißung einer Welt, in der wir nach unseren kühnsten Vorstellungen leben, ohne jemals an körperliche Grenzen zu stoßen.
Es ist ein Spiel mit den Gegensätzen. Zukunft steht neben Vergangenheit. Stofflichkeit trifft auf Immaterialität. Neukompositionen treffen auf Zitate von Domenico Gabrielli (16. Jhd.) über Steve Reich (1967) bis zu Klaus-Peter Werani (2017). Das Streichertrio Coriolis spielt live mit, gegen und in den elektronischen Klanglandschaften von Klavikon, Nitschke, Björn Eichelbaum und Rumpeln. Das Lichtdesign von Urs Schönebaum fügt sich wie eine Skulptur in den Raum.
„Erdnuss müsste man sein. Bandwurm. Oder Tellerschnecke.“ Die Altistin Martina Koppelstetter schlüpft in die Rolle der „Maya“. Der Autor Thomas Jonigk legt ihr die Sprache eines Menschen in den Mund, der seine Körperlichkeit neu entdecken muss, um als digitales Wesen zu überleben.