Scratching Trees #2

Was in der Biosphäre des Waldes geschieht, wird nicht vergessen oder überwuchert – sondern gespeichert. In Scratching Trees#1 wurde im März 2023 das Publikum eingeladen zu erfahren, wie Geschichte ein Ökosystem verändert. 
Im ersten Teil der Recherche ging es dabei vor allem um die Gewalt, die Jüd:innn und Partisan:innen während der deutschen Besatzung im Białowieża Wald erfahren haben an der Grenze von Polen und Belarus. 
Der Fokus des zweiten Teils der Recherche im Herbst liegt nun auf der Gegenwart in dem Waldgebiet an dieser europäischen Aussengrenze. 
Dabei manifestieren sich Stimmen und Geister aus unsichtbaren Vergangenheiten, Gegenwarten und Zukünften des Naturwaldes. Es singen in der Lothringer13 Halle Wisente im Chor über ihre Liebe zur Abwesenheit und der Sehnsucht nach Unsichtbarkeit. Mittendrin ein DJ an seinem Pult, beschäftigt damit, Vergangenheiten zu loopen und das Wachsen des Grases hörbar zu machen.

Scratchings Trees, Volume#1 und #2 versteht den Baum als (Schall)Platte und sucht beim Abtasten von Jahresringen nach gewaltvoll verdrängten Narrationen gestern und heute. 
Die Geschichte vom Idyll des Waldes zeigt hier seine unheimliche Seite. 

I am [not] Giselle

Eine Tanzperformance von Mónica García Vicente für 2 Tänzerinnen, mit einer musikalischen Eigenkomposition von Maewen Forest

Giselle gilt als Meisterwerk des klassischen Balletts. Entstanden in der Epoche der Frühromantik gehört es heute immer noch zum Repertoire. Wie in anderen Balletten dieser Zeit erscheint die titelgebende weibliche Figur, in die sich der männliche, nicht standesgemäße Protagonist verliebt, als geschlechtsloses, tugendhaftes, unschuldiges und abhängiges Wesen. Dieses Bild entspricht freilich eher den zeitgenössischen Männerphantasien und patriarchalen Weiblichkeitsidealen als den Lebenswirklichkeiten der Frauen und Tänzerinnen im 19. Jahrhundert.

I am [not] Giselle ist ein choreographisches Experiment auf der Suche nach der realen Frau im romantischen und zeitgenössischen Ballett. Die beiden Tänzerinnen verkörpern dabei die vielschichtigen und widersprüchlichen Aspekte von Frausein und Weiblichkeit: auf, hinter und jenseits der Bühne. Sie erforschen eigene und auf sie projizierte Sehnsüchte und Leidenschaften, Zustände von Abhängigkeit und Autonomie, den eigenen Körper als voyeuristisches Schauobjekt und Subjekt der weiblichen Lust. Choreographie, musikalische Komposition, Kostüm und Szenographie erschaffen eine Ästhetik und ausdrucksstarke Formsprache der Selbsterforschung, nicht zuletzt um Giselle als realer, komplexer Frau eine Bühne zu geben.

Bildbeschreibung: Zu sehen sind zwei weiblich gelesene Tänzerinnen in einem dunklen Raum in hautfarbenen Kostümen. Ihre Körper sind einander zugewandt, ihre Oberschenkel berühren sich, sie lehnen sich nach hinten und öffnen ihre Arme – sie schauen in die Ferne. Es scheint so, als ob sich ein Körper in zwei teilt.

Panzer Wiese

Die Panzerwiese im Münchner Norden – ein ambivalenter Ort voller Geschichte, in der Natur und Mensch sich immer wieder aufs Neue verweben, Synergien bilden oder sich gegenseitig abstoßen. In einem kollektiven Schreibprozess geht das Netzwerk Münchner Theatertexter*innen (NMT) mit der Regisseurin Verena Regensburger diesen Wechselwirkungen nach. 

„Kann ich die Landschaft zur Protagonistin eines Abenteuers machen, in dem die Menschen nur eine Rolle neben anderen spielen?“ Katrin Diehl, Jan Geiger, Denijen Pauljević, Theresa Seraphin und Rinus Silzle setzten sich mit dieser Frage in ihren Texten von Prosa bis Lyrik auseinander – die Stückentwicklung baut auf diesen Prozess auf: ein Natur-Schauspiel.

Panzer Wiese richtet sich an alle, deren Anliegen es ist, Natur einen tragenden Stellenwert für Zukunft zu geben.

sense of wonder

Der Ausdruck »sense of wonder« (dt.: Gefühl des Staunens) beschreibt im Science-Fiction-Genre eine erweiterte Form des Bewusstseins für das, was möglich scheint, und appelliert damit gleichzeitig an die Bereitschaft, zu staunen. Durch den Rückgriff auf Speculative- und Climate-Fiction-Motive und eine Kombination des Glaubwürdigen mit dem Mysteriösen, rückt das Choreograf*innen-Duo das Märchenmotiv des Wunders und seiner Konstruktion in den Mittelpunkt ihrer Auseinandersetzung.

Wie schon in ihren früheren Arbeiten greifen die beiden Künstler*innen auf klassische, mythologische sowie popkulturelle Stoffe zurück und kreieren aus queerfeministischer Perspektive neue Erzählungen, Verkörperungen und hybride Formen. Carolin Jüngst und Lisa Rykena waren 2022 bei der Tanzplattform Deutschland vertreten und produzieren mit SENSE OF WONDER ihre vierte Arbeit in Hamburg (Kampnagel) und die dritte in München (HochX).

reality warping

“reality warping” hinterfragt, woher wir wissen, dass die Realität tatsächlich Realität ist und wer sie konstruiert. Der dynamische Abend kritisiert unsere heutige Sicht auf das Erschaffen und Bewahren der Identität unseres heutigen Selbst. Er legt ein Vergrößerungsglas auf die Trennung von Realität und Wahrnehmung sowie unsere überlebensnotwendige Adaptionsfähigkeit – alles durch eine Linse verspielter Verwunderung. Das Performance-Projekt arbeitet mit Tanz, Musik, Projektionen und Video-Looping, Social Media und Augmented Reality. Es gipfelt in disziplinübergreifenden Aufführungen, die vor einem Live-Publikum gezeigt werden, aber auch von zu Hause aus erlebbar sind. Dabei hinterfragt “reality warping” die Beziehung zwischen unserer digitalen Existenz und unserem analogen Selbst, die Dissonanz des Zusammenspiels von Realität, Wahrnehmung und sozialem Konstrukt.

Bildbeschreibung: Ein nackter männlich gelesener Tänzer steht auf der linken Seite des Bildes und hält seinen Kopf mit beiden Händen. Sein rechter Ellbogen ist nach oben gestreckt. Die rechte Hälfte des Bildes ist schwarz. Der Tänzer ist von links rot angeleuchtet.

Seestück

Willkommen in unserem Algorama! Hier kannst Du leckere Algenchips testen, algige Kleidung anziehen und vieles MEER: Liegt in Glibber und Weichheit eine revolutionäre Kraft? 

Im Mini-Ozean verfolgst Du die Geschichte der schrulligen Algologin Nemo, die weltverändernde Dinge über Algen als Klimaschützer herausgefunden hat. Nemo hat sich jedoch enttäuscht von der Menschheit abgewandt. Gibt es jemanden, der sie überzeugen kann, ihr Wissen mit dem Rest der Menschheit zu teilen? Gut und Böse verschwimmen und beginnen, gemeinsame Sache zu machen.
SEESTÜCK bildet nach den beiden erfolgreichen Produktionen Hirn der Finsternis und Deathmarschen den krönende Abschluss der Wasserwege-Trilogie, in der sich Traummaschine Inc. mit der elementaren Ressource Wasser auseinandersetzt.

Connection Dance Center 2023

Eine Bildungsreihe von Mónica García Vicente

Zwölf junge Amateur-Tänzerinnen wurden für das zweite Connection Dance Center ausgewählt und trainieren & proben ab März wöchentlich. Erarbeitet wird die Mikro-Performance „WILLIS“, die zusammen mit einer offenen Probe in verschiedenen Spielstätten in Hannover aufgeführt wird: in der Eisfabrik im Rahmen der tanzOFFensive und im Tanzhaus AhrbergViertel im Rahmen des Tag der offenen Tür. Weitere Spielstätten folgen ggf. noch.

Parallel dazu lernen die jungen Tänzerinnen durch Hospitation im Staatsballett Hannover durch Begleitung des mehrteiligen Abends „Spiel des Lebens“ Choreographien von Goyo Montero, Sofia Nappi und Marco Goecke kennen. Außerdem findet eine Hospitation in der EISFABRIK während der tanzOFFensive bei LANDERER & COMPANY statt.

FLORA

Ein Tanzstück von Matteo Carvone

Alle, die Lust experimentellen Tanz in einem außergewöhnlichen Ambiente haben, sind bei der Tanzperformance FLORA richtig: Der italienische Tänzer und Choreograf Matteo Carvone präsentiert sein eigens für das Flower Power Festival kreierte Programm in der ehemaligen Industriehalle im Gasteig HP8. 

Im Fokus steht dabei die Beziehung zwischen Mensch und Natur. Konkret setzt Matteo Carvone eine Neubetrachtung der „Nichtmenschen“ als Subjekte tänzerisch in Szene. Sein Ziel: Er möchte dazu anregen, neu zu denken – über ein System von Beziehungen, die sich innerhalb von Ökosystemen buchstäblich bewegen.

Tour des Textes

Die Tour des Textes ist ein kollaboratives Stipendiat*innen-Programm des Netzwerks Münchner Theatertexter*innen der Wiener Wortstätten, des Neuen Instituts für Dramatisches Schreiben und der Summer School Südtirol

Bei diesem Programm haben Stipendiat*innen die Möglichkeit ihre Textprojekte zu entwickeln und diese in regelmäßig stattfindenden Workshops in München, Wien und an der Summer School Südtirol vorzustellen. Auf diesem Weg wird eine nachhaltige Entwicklungs- und Austauschmöglichkeit zur Textentstehung geschaffen. Das Programm wird begleitet von einem Lesungs- und Diskursformat. Dabei präsentieren die Autor*innen ihre aktuellen Arbeiten und diskutieren ästhetische, inhaltliche wie politische Fragestellungen.

In der Tour Des Textes sind Autor*innen eingeladen, sich über den Zeitraum eines Jahres immer wieder zu treffen und an ihren Texten zu arbeiten, diese gemeinsam zu besprechen und Erfahrungen auszutauschen.

Zu Beginn der Tour treffen sich die Autor*innen in München, später in Wien und im Sommer in Südtirol bei den jeweiligen Partner*innen.

Im vierten Jahr des Programms sind sechs Stipendiat*innen Teil der Tour des Textes.

Am 26. Januar 2023 startete die Tour in München.

Die Münchner Werkstatt findet wie immer mit freundlicher Unterstützung der Monacensia im Hildebrandhaus in deren Räumlichkeiten statt! Danke!

Stipendiat*innen: Amerla Madreiter, Maxi Obexer, Thomas Perle, Olga Prusak, Rike Reiniger, Peter Thiers

Im dritten Jahr des Programms waren sieben Stipendiat*innen Teil der Tour des Textes.

Vom 20. – 23. Januar 22 startete die TOUR 2022 in München. Zwischen 21. – 27. April trafen sich die Autor*innen in Wien, ehe das Projekt mit dem dritten und letzten Teil im Rahmen der Summer School Südtirol von 21. – 27. August abgeschlossen wurde.

Eine Besonderheit in diesem Jahr war, dass im Oktober 2022 Szenen der besprochenen Stücke eingerichtet und gefilmt wurden. Die Videos finden Sie hier!

Stipendiat*innen: Caitlin van der Maas, Pola Fendel & Kristina Jovanovic, Sara Ehsan, Andreas Sauter, Semir Plivac, Alexandra Koch

Die diesjährige Ausgabe der TOUR DES TEXTES ist u.a. gefördert durch eine Netzwerk- und Strukturförderung des FONDS DARSTELLENDER KÜNSTE im Rahmen von NEUSTART KULTUR.

Die Münchner Werkstatt fand mit freundlicher Unterstützung der Monacensia im Hildebrandhaus in deren Räumlichkeiten statt.

Im zweiten Jahr des Programms hatten sieben Stipendiat*innen die Möglichkeit, ihre Textprojekte zu entwickeln und diese in regelmäßig stattfindenden Workshops vorzustellen.

Stipendiat*innen: Liat Fassberg, Jan Geiger, Barbara Kadletz & Ursula Knoll, Dana Linssen, Miriam Lesch, Denijen Pauljević

Aufgrund der Corona-Pandemie fanden die Workshops in München in hybrider Weise statt: Die Münchner Autor*innen trafen sich live, die anderen Autor*innen kamen online dazu. Die Workshops, die in Wien hätten stattfinden sollen, wurden komplett in den digitalen Raum verlegt. Die Summer School Südtirol konnte erfreulicherweise vor Ort stattfinden.

Im ersten Jahr des Programms waren sechs Stipendiat*innen eingeladen sich auszutauschen und zu vernetzen.

Stipendiat*innen: Katrin Diehl, Amir Gudarzi, Helena Kontoudakis, Valeria Melichar, Elena Schmidt, Rinus Silzle

Scratching Trees

Scratching Trees Volume#1

Was in der Biosphäre des Waldes geschieht, wird nicht vergessen oder überwuchert – sondern gespeichert. Davon ausgehend lädt Scratching Trees, Volume#1 das Publikum ein, auf die Jagd zu gehen. Dabei manifestieren sich Stimmen und Geister aus unsichtbaren Vergangenheiten, Gegenwarten und Zukünften des Białowieża Waldes an der Grenze von Polen und Belarus. Erstmalig singen in der Lothringer 13 Wisente im Chor über ihre Liebe zur Abwesenheit und der Sehnsucht nach Unsichtbarkeit. Performer*innen berichten von den Massakern und der Gewalt, die Jüd*innen und Partisan:innen während der deutschen Besatzung des Waldes erlitten. Mittendrin ein DJ an seinem Pult, beschäftigt damit, Vergangenheiten zu loopen und das Wachsen des Grases hörbar zu machen.

Scratchings Trees, Volume#1 versteht den Baum als (Schall)Platte und sucht beim Abtasten von Jahresringen nach gewaltvoll verdrängten Narrationen. Die Geschichte vom Idyll des Waldes zeigt hier seine unheimliche Seite. 

Open Call 

Für einen ersten Try-Out der performativen Installation Scratching Trees in der Lothringer 13 sammeln wir Hosen, Hemden, Kleider, Röcke und Blusen – kurz: alte Klamotten!

Sie werden Teil des Projekts, das Einschreibungen deutscher Geschichte in den Białowieża Wald, den ältesten Flachland-Urwalds Europas und seiner Bewohner*innen, hör- und erfahrbar macht. 

Wenn du Kleider abgeben magst, dann schreibe eine Nachricht an studio@christianehuber.com