Konferenz „Kollektive Stadt“ / Folkstheater/Thatr Ludowy

Folkstheater/Teatr Ludowy holt internationale Künstler*innen, Stadtplaner*innen und Wissenschafter*innen nach Frankfurt/Oder und erarbeitet in einem eintägigen Intensivworkshop ein Papier zum Thema: “Kollaborative Stadtentwicklung als Crossover zwischen Kunst im öffentlichen Raum, Bürgerbeteiligung und inklusiver Stadtplanung“. Das Projekt Folkstheater stellt sich hiermit in einen internationalen Kontext und vergleicht Ansätze in Kunst, Stadtplanung und Architektur, die sich der bürgergetragenen Stadtproduktion verschrieben haben. Umrahmt wird der Arbeitstag von verschiedenen öffentlichen Präsentationen zum Thema.

 

Als Teil des Projektes FOLKSTHEATER/THEAR LUDOWY veranstalten Club Real vom 6. bis zum 8. Oktober 2017 in Frankfurt (Oder) die Konferenz „Kollektive Stadt“. Eingeladen sind u.a. internationale Gäste (LASA aus Kuba, Zorka Wollny aus Polen).

 

MUTTERLAND …stille

In seinem neuen Projekt zeichnet Emre Akal den Prototyp einer türkischen Familie, die keinen Platz mehr hat im rasenden Wandel ihres Landes.
Ermöglicht durch ein Stipendium der Stadt München hat Emre Akal ein Land durchforstet, das immer mehr in Stille versinkt und Gedanken oder Meinungen unaussprechbar werden. Ein Land, das hart ist wie sein konservativer Führer und weich wie die streichelnde Hand einer Mutter, in dem Tod, folgenlose Aggression, Lüge und Misstrauen nicht nur die Straßen der Städte erobern, sondern auch immer tiefer in die Seelen der Menschen und den Mikrokosmos Familie einbrechen und jedes ausgesprochene Wort das Ende bedeuten könnte für das letzte bisschen Glück.

Emre Akal fragt nach den Menschen, die mit dieser schnellen Entwicklung nicht Schritt halten können, die nun krampfhaft versuchen, in Ritualen und Gewohnheiten die letzte noch freie Zone des vermeintlichen Glücks vor dem immer grauer werdenden „Draußen“ zu beschützen: Das „Zuhause“ als einziger Ort des Durchatmens, des Rückzugs und der Selbstbestimmung, in dem man noch die Kontrolle über Harmonie und Zusammenhalt hat. In einem assoziativen Bilderbogen erlebt der Zuschauer eine in einem seltsamen gesellschaftlichen Spalt steckengebliebene Mischung aus Lethargie, Aufbruchsstimmung, Sehnsucht, Ermüdung und Sprachlosigkeit.

creativeALPSlab

Mit welchen Ansätzen funktioniert Kultur- und Kreativwirtschaft als Motor für die Entwicklung von ländlichen Regionen? Mit welchen Ideen und Geschäftsmodellen kann die Kultur- und Kreativwirtschaft die Attraktivität und Zukunftsfähigkeit dieser Räume steigern? Wie können fruchtbare Milieus für kultur- und kreativwirtschaftliche Aktivitäten auf dem Land angestiftet und entwickelt werden – und welche Narrative braucht es, um interessante Akteur_innen zu gewinnen und in den lokalen Zusammenhängen einzubinden?

Das creativeALPSlab setzt bei diesen Fragestellungen an und identifiziert, vernetzt, begleitet und analysiert entsprechende Initiativen in den Berggebieten Deutschlands, der Schweiz und Österreichs. Ziel ist es, am Beispiel des Alpenraums neue kultur- und kreativwirtsschaftlich induzierte Modelle und zukunftsorientierte Konzepte für Lebens- und Wirtschaftsformen außerhalb urbaner Zentren zu erproben und deren Potentiale auszuloten.

MAYA – Eine Mixed-Reality-Techno Oper

 

 

Mathis Nitschkes Musiktheater MAYA inszeniert die letzte Industrieruine Münchens, das ehemalige Heizkraftwerk Aubing, als archäologische Ausgrabungsstätte. Über eine Augmented-Reality-App am eigenen Smartphone begibt sich der Zuschauer in die Perspektive einer in ferner Zukunft wieder entstandenen Zivilisation und staunt über den Niedergang unserer heutigen Menschheit in naher Zukunft.

Wer werden wir gewesen sein? MAYA ist ein Science-Fiction-Abenteuer auf mehreren Realitätsebenen. In der Ruine des Aubinger Heizkraftwerks entdecken die Zuschauer*innen auf ihren Smartphones und Tablets rätselhafte Spuren. Es sind Überbleibsel einer vergangenen Zukunft, in der Mensch und Maschine zu einer Einheit verschmolzen waren: Ein digitaler Friedhof deutet auf den Niedergang hochentwickelter menschlicher Avatare. Wer sind sie? Woher kommen sie?
„Maya“ ist das einzige Wesen an diesem Ort, das Auskunft geben könnte. Sie ist die Letzte ihrer Art und der Schlüssel zu einer digitalen Anderwelt. „Maya“ hat einen Auftrag. Gelingt es ihr, den Cyberspace und damit sich selbst und die Menschheit zu retten?

Der Münchner Komponist und Theatermacher Mathis Nitschke überträgt in MAYA den Kern dessen, was Oper ausmacht, in die Gegenwart: Rausch, Ekstase und Bewusstseinserweiterung durch Musik, Sound, Licht und digitale Kunst. MAYA verbindet Oper und Techno. Beides steht für ein kraftvolles Sich-Auflehnen: Gegen den Tod. Gegen die Einsamkeit. Für ein Leben ohne Limits. Für die Verheißung einer Welt, in der wir nach unseren kühnsten Vorstellungen leben, ohne jemals an körperliche Grenzen zu stoßen.

Es ist ein Spiel mit den Gegensätzen. Zukunft steht neben Vergangenheit. Stofflichkeit trifft auf Immaterialität. Neukompositionen treffen auf Zitate von Domenico Gabrielli (16. Jhd.) über Steve Reich (1967) bis zu Klaus-Peter Werani (2017). Das Streichertrio Coriolis spielt live mit, gegen und in den elektronischen Klanglandschaften von Klavikon, Nitschke, Björn Eichelbaum und Rumpeln. Das Lichtdesign von Urs Schönebaum fügt sich wie eine Skulptur in den Raum.

„Erdnuss müsste man sein. Bandwurm. Oder Tellerschnecke.“ Die Altistin Martina Koppelstetter schlüpft in die Rolle der „Maya“. Der Autor Thomas Jonigk legt ihr die Sprache eines Menschen in den Mund, der seine Körperlichkeit neu entdecken muss, um als digitales Wesen zu überleben.

Panama Plus 2017

Panama Plus 2017 schlägt Brücken – zwischen Kunst und Politik, Werkstatt und Club, Uni und Rave. Das Festival hat eine Mission: die funky Reparatur der Zukunft. Auf, vor und hinter der Bühne finden Workshops, Konzerte und Diskussionen statt, werden Filme, Kunstwerke und Utopien entwickelt und vorgeführt. Motto dieses Jahr: Alle haben die Absicht eine Brücke zu errichten.

Vom 26.06. bis 02.07.2017 erwarten dich im Münchner Kreativquartier:

FÜNF TAGE KONZERTE & PARTIES

  • RADIO LOVE LOVE
  • ANALOG AFRIKA
  • POLLYESTER
  • ODD COUPLE
  • TRIBES OF JIZU
  • FRANK SPILKER
  • REFUGEE RAP SQUAD
  • PULSINGER & IRL
  • PAPPENDISKO
  • KARL HECTOR & THE MALCOUNS
  • GADDAFI GALS
  • BIRD BERLIN
  • u.v.m.

FÜNF TAGE WORKSHOPS, KINO & TALKS*

  • Songwriting mit Frank Spilker
  • Filme vom dokfest München und Filmfest München
  • Rap Workshop mit Keno, Boshi San und Roger Reckless
  • Fake-News mit Zündfunk Netzkongress
  • Beatkonvent mit Maniac, DJ Rufflow und Sepalot (Blumentopf)
  • Talks u.a. mit Harald Welzer, Christoph Süß und Julian Nida-Rümelin
  • u.v.m.

20 KünstlerInnen arbeiten während der Festivalwoche vor euren Augen auf dem Gelände an neuen Projekten. Das Ministerium für Wahrheit läuft Patrouille. Auf dem Innenhof wird spontan geschnackt, gelesen und getrunken.

Der Rollende Tisch von Słubice II: Frauen an der Grenze zum Nervenzusammenbruch

Der Rollende Tisch von Słubice fährt auf der Brücke zwischen Deutschland und Polen. Zusammen mit UNITHEA und der feministischen Initiative BABA aus Zielona Góra gestaltet Club Real eine öffentliche Frühstücksfahrt mit Gesprächen über Frauen an der Grenze zum Nervenzusammenbruch.

Międzynarodowe śniadanie
Club Real po raz kolejny będzie toczył Słubicki stół na kółkach na moście pomiedzy Polską i Niemcami. Razem z festwalem UNITHEA i inicjatywą feministyczną BABA z Zielonej Góry prezentujemy publiczny przejazd połączony ze śniadaniem, rozmowami o kobietach na granicy załamania nerwowego. Towarzyszcie nam, weźcie udział i jedzcie z nami! 

SIESTA – Eine Perfomance – Installation

Wir alle träumen im Schlaf. Aber was träumen wir, wenn uns der Schlaf an einem Behelfsort oder in einer vorübergehenden Situation übermannt? In einem Gefängnis oder in einem Flüchtlingslager, im Niemandsland oder gar im Zelt? Vielleicht sogar einer Stadt aus Zelten in einer Stoffstadt?

Im syrischen Bürgerkrieg wurden und werden Städte zerstört. Deren Einwohner fliehen und bauen sich neue Zeltstädte aus Stoff – in der Hoffnung, dass dies nur vorübergehend sei. Doch nach sechs Jahren sind die Stoffstädte immer noch da und mit ihnen die Nöte, Hoffnungen und Träume ihrer Bewohner. Die syrische Choreographin und Theatermacherin Mey Seifan sammelt seit 2011 in ihrem „Traumarchiv“ die Träume von Syrern. Aus den bislang mehr als 300 gesammelten Erzählungen entstand 2013 die choreographische Trilogie „Zerstörung für Anfänger“. Die interdisziplinäre Performance-Installation Siesta setzt das „Syrian Dream Project“ nun fort: Performer*innen und Publikum errichten gemeinsam im HochX ein Traumlager mit unterschiedlichen Stationen. Reihenfolge, Tempo und Intensität der Begegnungen im „Traumparcours“ dürfen die Besucher*innen selbst bestimmen, um in eine Atmosphäre aus Licht, Duft, Bildern und Klängen einzutauchen. Das Geschehen folgt dabei selbst einer Traumlogik, ist sprunghaft-assoziativ, voller Überraschungen und dunkler Geheimnisse. Mitgenommen auf eine Reise in das kollektive Unterbewußtsein träumender Syrer werden die Zuschauer selbst zu Träumenden.

Zum Abschluss der Vorstellungsreihe wird die Installation am 5. Juli tagsüber öffentlich zugänglich sein. Zuschauerinnen und Zuschauer können so in das Traum-Camp zurückkehren, sich an das Erlebte erinnern und so Einblicke in einen außergewöhnlichen Probenprozess gewinnen.

„Benefiz – Jeder rettet einen Afrikaner“ von Ingrid Lausund

Wie bringt man einen durchschnittlich wohlhabenden Europäer dazu, für ein afrikanisches Schulprojekt zu spenden? „Mit einer Benefiz-Gala! Ganz klar“, sagen sich die Protagonist*innen der Entwicklungshilfesatire „Benefiz“. Sie sind weder stinkreich noch prominent, dafür aber hoch motiviert, etwas Großes auf die Beine zu stellen: Eva (Eva-Maria Spiegelhauer), Christine (Anita Eichhorn), Erika (Alena von Aufschnaiter), Leo (Gabriel Wonn), Mascha (Sarah Giebel) und Eckhart (Manuel Feneberg) wollen nichts dem Zufall überlassen. Deshalb proben sie den Ablauf der ultimativen Benefizgala, immer auf der Suche nach Anreizen, die Spendenbereitschaft des Publikums zu steigern.
Was wirkt am besten? Drastische Bilder? Herzerschütternde Fakten? Afrikanischer Ausdruckstanz?

Schließlich, aber für das Ego der Beteiligten dann doch nicht ganz unerheblich, stellt sich noch die Frage: Wer bringt all das am besten rüber? Zwischen Affekt- und Effekthascherei und dem Ringen um Political Correctness beginnen Eitelkeit und Konkurrenzdenken das gut gemeinte Projekt ernsthaft zu gefährden.

Ingrid Lausund hat eine rabenschwarze Satire über die Verflechtungen zwischen Geltungssucht, Profit und Entwicklungshilfe geschrieben. Vincent Kraupner inszeniert das Stück mit dem Abschlussjahrgang der Neuen Münchner Schauspielschule. Die Koproduktion mit dem Theater an der Rott feiert in der Reihe „Meister von Morgen“ in Eggenfelden Premiere.

Der Rollende Tisch von Słubice I: Hering an Europa

Hering an Europa ist die erste Fahrt des „Rollenden Tisches von Słubice“, einer Kunstaktion des Berliner Performance-Kollektivs Club Real, das mit einer Gruppe lokaler Akteur*innen in Frankfurt(Oder) und Słubice (dem sogenannten FOLKSTHEATER-Ensemble) Strategien der künstlerischen Aneignung von Stadt erforscht.

Anlässlich des Europatags gestaltet Club Real zusammen mit dem integrativen Verein TWK Słubice eine Tisch-Fahrt vom Plac Bohaterów (Heldenplatz) in Słubice über die Oderbrücke und die deutsch-polnische Grenze bis zum Brückenplatz in Frankfurt(Oder). Die illustre Tischgesellschaft bewegt sich durch die Stadt mit einer rollenden Tafel auf der sich aus Brotteig gebackene Heringe türmen. Jeder Brotfisch ist handgefertigt und selbstgebacken und enthält die Kopie eines offenen Briefes an Europa, den die Mitglieder des TWK und Club Real im Vorfeld gemeinsam erarbeiten und zu Beginn der Fahrt auf dem Postweg nach Brüssel senden werden. Die Brotheringe werden auf der Fahrt verteilt. Alle Passanten sind dazu eingeladen, sich mit an den Tisch zu setzen, und gemeinsam in den Brotfisch zu beißen. Dabei können natürlich auch weitere Kurzbotschaften verfasst werden, die dann in einem vorbereiteten Hering gesteckt, weitere Adressaten erreichen können.

Am der Brücke zum Europaplatz in Frankfurt (Oder) endet die Fahrt mit einem gemeinsamem Europa-Fest von Club Real, TWK und den Künstler*innen und Künstlern des fiktiven deutsch-polnischen Grenzstaates Nowa Amerika.

Fremdkörper- über Normenkonflikte und Rassismus in multikulturellen Gesellschaften

Der in München lebende brasilianische Choreograph Mario Lopes präsentiert mit PlattformPLUS eine Premiere und ein Gastspiel im Themenfeld von Fremdkörpern, Rassismus und Normenkonflikten.
„Album kodex_feedback“ (18./19.5.) und „Movimento I, parado é suspeito“ (20.5.) erforschen mit choreographischen Ausdrucksmitteln, wie Gesellschaften auf neue, fremde Körper reagieren. Beide Werke wurden im Rahmen einer internationalen Plattform für Aktion und Begegnung mit Künstler*innen aus Mexiko, Brasilien, Finnland und Deutschland entwickelt.

In “ALBUM kodex_feedback” loten Martín Lanz und Mario Lopes aus, wie kulturell fremde Kontexte auf den menschlichen Körper einwirken. Die Performance ist als Album mit zwei Seiten konzipiert: Seite A “kodex” fragt danach, wie Menschen in Gemeinschaften miteinander umgehen, wie ihre Körper sich gesellschaftlichen Gegebenheiten anpassen und was passiert, wenn Sprache, Hautfarbe oder Verhalten nicht in ein normativ vorgegebenes Setting passen. Auf Seite B feedback werden diese Körpererfahrungen technisch und klanglich reproduziert, so dass ein Dialog zwischen dem Echo von Seite A und den Körpern der Performer*innen entstehen kann.

Ausgangspunkt für die Recherche „Movimento I, parado é suspeito“ ist der in Brasilien viel gehörte Satz „Negro parado é suspeito, negro correndo é ladrão“ (dt. ‚ein Schwarzer, der steht, ist verdächtig; ein Schwarzer, der rennt, ist ein Dieb’). In der stigmatisierenden Redensart offenbaren sich die massiven rassistischen Vorurteile gegenüber der afrobrasilianischen Bevölkerung. Wie reagiert der Körper auf die andauernde Diskriminierung, Gewalt und auf institutionalisierten Rassismus? Mario Lopes Choreographie greift Elemente der afrikanischen Diaspora auf. Dazu gehören die Griots (Geschichtenerzähler), die in den Geschichtsbüchern verstummt sind, aber auch leidvolle Erfahrungen mit Polizeirazzien, bei denen nach der Hautfarbe darüber geurteilt wird, wer schuldig ist und wer nicht. Das Stück nutzt Perkussion als Körpererinnerung mittels derer die Tänzer*innen die Geschichte wieder und wieder erzählen können. So entsteht eine Performance, die dem Körper eine Stimme zu geben sucht und dem (Schlag-)Instrument einen Körper verleiht.

Nach allen drei Aufführungen finden moderierte Gespräche mit Expert*innen der Friedrich-Ebert Stiftung, den Künstler*innen und dem Publikum zu den angestoßenen Themen „Fremdkörper“ und „Rassismus“ statt.

PlattformPLUS ist eine Plattform für künstlerische Aktion und Begegnung, die zwischen São Paulo und München etabliert wurde, um Schnittstellen der Kulturen zu erleben und dabei über das Erwartbare hinaus die Kultur des Anderen zu erfahren. Inzwischen steht das PLUS im Namen für die Öffnung durch die Teilnahme von Künstlern und Partnern verschiedenster Nationalitäten.