Wo komme ich her? Etappe 2 Ungarn – Schwarzer Fleck

Im Rahmen von Dance 2021

Worten zwischen Zähnen und Zunge zerreiben, aus Ziegeln rotes Pulver gewinnen, Erinnerungen nachgehen den Körper einsetzen, konkrete Handlungen vollziehen und auf der Spurensuche neue Spuren hinterlassen…

Die Münchner Performerin Judith Hummel und die Musikerin Evi Keglmaier begeben sich im körperlichen Nachspüren von Fragmenten gelebten Lebens ins Alte Betonwerk Sendling. Auf der Suche nach ihrer Herkunft folgt die Enkelin den Spuren der Großmutter. Diese flüchtete in den letzten Kriegsjahren aus dem rumänischen Banat nach Deutschland. Die Route führte auch durch Ungarn, die Erinnerungen daran bleibt jedoch „ein schwarzer Fleck“.

In einer Anekdote erzählt die Großmutter, dass sie als Kind Ziegel rieb, um rotes Paprikapulver für ihr Kaufladenspiel herzustellen. Ausgehend von diesen Motiven entsteht diese Etappe der performativen Recherche Wo komme ich her?

LOB DES VERGESSENS, Teil 2

Vor einigen Jahren stolperte Oliver Zahn in einem ethnografischen Tonarchiv zur Vertreibung Deutscher nach dem zweiten Weltkrieg über ein Lied, das ihn seitdem nicht mehr loslässt.

Dieses Lied nimmt er jetzt als Startpunkt für eine Auseinandersetzung mit den Potenzialen und und Problemen von Techniken sozialen Vergessen, die im Vorigen Jahr mit der Bühnenarbeit LOB DES VERGESSENS begonnen hat.
LOB DES VERGESSENS, Teil 2 ist eine für sich stehende Fortsetzung dieser früheren Arbeit, die die Aktion vom Bühnenraum komplett in die digitale Sphäre verlegt und so neue Fragen von Erinnern und Vergessen aufwirft.

ROSE LA ROSE

In deutscher und englischer Sprache | mit integrierter Audiodeskription (englisch und deutsch)

In ROSE LA ROSE taucht das Choreographinnen-Duo Rykena/Jüngst zusammen mit den Performer*innen Amelia Cavallo und Tian Rotteveel in die obskure und zugleich erotische Welt von Showkultur und Spektakel. Sie offenbaren deren subversive Potentiale und huldigen dem Dazwischen, der Zeit vor und nach der Enthüllung, vor und nach der Verführung, vor und nach dem Höhepunkt. Das multidisziplinäre Team eröffnet Imaginationsräume, in denen klischeehafte Vorstellungen erotischer Körper hinterfragt und umgeschrieben werden.

Durch den künstlerischen Umgang mit dem Mittel der Audiodeskription, das visuelle Inhalte sprachlich übersetzt, verschränken die sehenden und nicht sehenden Performer*innen visuelle und auditive Wahrnehmungsräume. Die Bild- und Hörflächen verbinden sich durch die Stimmen und Körper der Performer*innen zu einem Gebilde verflochtener Erzählungen und Interpretationen hybrider Erotik. Körper und Stimmen verschwinden, verzerren, dirigieren, fragen, fordern auf.

BLINDENGERECHTE BESCHREIBUNG DES BILDES
Zwei Körper auf hellem Boden, in einem blau leuchtenden Raum. Im Hintergrund ein hellblau schimmernder Vorhang. Auf einem weißen runden Podium links ein Körper auf dem Rücken, in Shorts und einem weitem lila Wollpullover. Sein rechter Arm greift nach der Hand des anderen Körpers, der auf dem Boden kniet. Braunes langes Haar im Zopf, lila T-Shirt, enge rosa Shorts mit einem lila Streifen an der Seite, lila Turnschuhe, nackte Beine. Die Stirn auf dem Boden, das Becken nach oben gestreckt, die Unterarme und Hände vor ihr auf dem Boden.


ROSE LA ROSE / Aufführungen in München 24. – 26. Juli 2021 | 20 Uhr | HochX Theater und Live Art | Entenbachstraße 37 | München

Begleitend zum Projekt ROSE LA ROSE wird ein Rahmenprogramm zum Thema „Audiodeskription als künstlerische Praxis“ angeboten:

Audiodeskriptionsworkshop mit Quiplash 16. & 17. Juni 2021 (auf englisch) | via Zoom

TEASERAMA / Vermittlungsveranstaltung 22. Juni 2021 | 19 – 21 Uhr | Zoom via schau mer mal

Panel: Rykena/Jüngst, Quiplash, Ursina Tossi & Sophia Neises – On Artistic Audiodescription 26. Juli 2021 | 15 – 17 Uhr | via Zoom

Zusätzlich können blinde und sehbehinderte Zuschauer*innen sich für eine Haptic Touch Tour / Begehrung des Bühnenraums vor jeder Vorstellung anmelden. Beginn ist jeweils um 19:30 Uhr.


Team

Künstlerische Leitung, Choreografie, Performance: Carolin Jüngst

Choreografie, Performance, Künstl. Co-Leitung: Lisa Rykena

Dramaturgie: Matthias Quabbe

Co-Choreografie, Tanz: Amelia Lander-Cavallo, Tian Rotteveel

Access Work: Al Lander-Cavallo

Künstlerische Audiodeskription, Performance: Ursina Tossi

Access Work: Al Lander-Cavallo

Sound: Konstantin Bessonov

Bühne: Lea Kissing

Kostüme: Hanna Scherwinski

Licht: Ricarda Schnoor & Joanna Ossolinska

Filmkonzept und Schnitt: Martin Prinoth

Übersetzung und Untertiteln: Emma Stenger

Creative Producing, PR (Hamburg): Stückliesel

Produktionsassistenz: Sina Rundel

Fotografie: Jonas Fischer & Vera Drebusch

PR & Vermittlung (München): Rat&Tat Kulturbüro

Über die Wut

WUT steht in LED-Lettern über der Bühne, auf der die Tänzerin Sahra Huby sich aufpumpt, die Muskeln spielen lässt, den Mund aufreißt, die Brauen zusammenzieht, die Zähne fletscht. Wut ergreift und vergrößert den Körper; wir spucken Gift und Galle, wir kriegen Schaum vor dem Mund, die Wut raubt uns den Atem und nimmt Muskeln, Augen, Stimme in Besitz, verändert und verzerrt sie und lässt den Körper grotesk, bedrohlich, aggressiv, aber auch komisch und komödiantisch erscheinen – und so flackern hinter Sahra Huby wütende Promis und Politiker, aber auch Cartoons über die Wände.

In ihrem neuen Solo „Über die Wut“ erforscht Anna Konjetzky die Emotion als individuelles Gefühl und als einen von gesellschaftlichen Strukturen produzierten Zustand. Seziert und durchdekliniert wird ein ganzes Arsenal persönlicher, politischer und Pop-Kultur Gesten der Wut. Huby verlangsamt, fragmentiert, rhythmisiert, zerdehnt die Bewegungen, verleiht ihnen so unvermutet Schönheit und Eleganz, tritt gewissermaßen aus sich heraus und betrachtet sie wie unter einer Lupe, um im nächsten Moment wieder zu toben, auszubrechen. 

Bilder von Revolte, Protest, Demonstration erscheinen, in die sich die Tänzerin hineinschreibt, sie anprobiert und sich zu eigen macht. Wut auch als konstruktive Kraft, als Motor und Antrieb gesellschaftlicher Veränderung. Iconische Gesten – die hochgereckte Faust der schwarzen Bürgerrechtsbewegung, die überkreuzten Handgelenke, der Mittelfinger – künden vom Sturm auf ungerechte Verhältnisse, ein Angriff auf die Macht, auf bestehende Hierarchien und Strukturen. 

Doch sind wir wütend genug?.

„Über die Wut“ lässt einen Körper auf der Bühne nachdenken, ein Körper, der sich in Narrative ein- und wieder aus ihnen herausschreibt via Bewegung, via Bild, via Musik, via Text. Durch diese unterschiedlichen Mittel und Filter untersucht das Stück die Potentialität von Wut, und ganz im speziellen der weiblichen Wut. Wut als Werkzeug zur Veränderung, als ein Aufzeigen von Ungerechtigkeiten. 

Huby ist auf dieser Bühne eine wütende Frau und so holt sie sich auch all jene zorningen Frauen aus Gegenwart und Vergangenheit als Zeuginnen an ihre Seite – von Klytemnästra über Jeanne d’Arc bis hin zu Rosa Parks und Audre Lorde. Mit ihnen zusammen stellt “Über die Wut” die Frage nach Veränderung, nach einem grundlegenden und radikalen Wandel.

The Urge

Moves zwischen Bett und Schrank, eine klassische Variation vor Küchenzeile, Release auf dem Balkon: Homevideos aus dem Lockdown im Frühjahr 2020. Solistisch. Pandemisch. Hochgeladen in den sozialen Medien. Sie alle sind Zeugnisse des Dranges von Tänzer*innen und Choreograf*innen zu tanzen und sichtbar zu bleiben. Ceren Oran nutzt diese Fundstücke für ihre Performance The Urge und bringt sie auf die Straße. The Urge besetzt den öffentlichen Raum, holt das Publikum im Alltag ab und verbindet Online-Tools mit analoger Echtzeit-Performance. Unter die Lupe genommen und in choreografische Bilder verwandelt wird der Umgang jedes Einzelnen mit gesamtgesellschaftlichen Krisen.  Als Premiere simultan in drei Städten, München, Berlin, Köln stattfindend, zieht The Urge danach bis August durch München.

ARSENAL

„Bei der Glock 17, Kaliber neun Millimeter, mit der der Schüler David S. am Freitagabend in München neun Menschen und sich selbst erschoss, handelt es sich um eine reaktivierte („reaptierte“) Theaterwaffe. Entsprechende Informationen der SZ bestätigte der Präsident des bayerischen Landeskriminalamts (LKA), Robert Heimberger, am Sonntag auf einer Pressekonferenz. Das Beschusszeichen stammt von 2014. Danach war die Waffe nicht mehr scharf, allerdings wurde sie irgendwann in der Folge – wann und durch wen ist noch nicht bekannt – wieder gebrauchsfähig gemacht.“
– Sueddeutsche Zeitung vom 24.07.2016

Kopfkino: Literarische Hörgänge durch München

Kopfkino nimmt Euch mit auf einen literarischen Spaziergang durch München: Eine Wanderung durch Kopf und Stadt von jungen Münchner Autor*innen, gesammelt und gelesen von der Schauspielerin Henriette Fridoline Schmidt.

Jede Autor*in, jeder Weg, jeder Text ist anders: Mal ein Gedankenstrom, mal ein Hörspiel, ein Roman oder eine Assoziationskette. Kopfkino ist kein Buch, kein Theater, keine Performance und kein Hörspiel. Kopfkino ist ein Podcast zum stadtwandern, streunen, entdecken. Einfach Kopfhörer aufsetzen und losspazieren!

Folge #11: Outside Inside von Mira Mann

In ihrem Text Outside Inside ist Mira Mann entlang der Isar unterwegs, zwischen der Au und dem Glockenbachviertel. Ihr Text wandert/flaniert/stolziert/tanzt dabei durch ein Nebelmeer aus Assoziationen und Gedanken: Versuche, dieses Söderbayern aus sich heraus zu halten und dennoch die Welt an sich heranzulassen.

Folge #12: 48°06’25.0″ N 11°39’23.0″E von Emre Akal

Irgendwas ist heute anders an der Stadt. Der Himmel in ein Nostradamus-Rot getaucht, das Verhalten der Menschen so seltsam, trotz Schnitzel und dem rötlichen Getränk, das sie nur hier trinken würden: unter den bunten Schirmen am Odeonsplatz. Was geschieht hier? Emre Akals Figuren beobachten das Geschehen. Mal mehr an sich, mal mehr durch die Blicke der anderen. Und da ist etwas fremd. Vielleicht einfach diese Menschen hier? Oder man selbst?

Oder die Antwort ist noch simpler: Aliens!

Folge #13: SCHWABING – SURABAYA – SENDLING von Lea Herman

Am 29. Januar 1959 kam mit einem Konzert der Tielman Brothers der Rock ’n‘ Roll in München an. Um genau zu sein: der Indorock. Indonesischer Rock ’n’ Roll. Die Landschaft der Münchner Clubs nahm den neuen Sound fast schon zu gierig auf: Nachkriegsdeutschland wollte anders klingen, wild tanzen, Exotisches geboten bekommen.

Aus der ersten Indorockband wurde eine Welle, ein Phänomen, das Deutschland veränderte. Und dann?

Lea Herman begibt sich auf die Distanz auf eine sehr persönliche Spurensuche an die Orte von verschwundenen Baracken-Bars in den ehemaligen Bombenlücken in Schwabing, um den Hauptbahnhof und in Sendling. Und in den Aufnahmen der Bands, in denen ihr Vater und ihr Onkel die Republik rockten, bis die frisch getünchten Fassaden bröckelten.

Folge #14: Das Leben ein Fest von Jule Ronstedt

Der innere Schweinehund zerrt heftig an der Kette, nach all der Pandemie. Raus, Bewegung! Vielleicht sogar Party? Um den Bordeauplatz herum ist alles irgendwie zu lebendig und zu tot zugleich. In schöner Leichtigkeit fügt sich jeder neue Wahnsinn in diese Stadt ein. Und zugleich sind an jeder Ecke diese Erinnerungen… Ein getriebener Spaziergang bis zum Bogenhausener Friedhof. Vielleicht ist dort wirklich endlich Party. Denn Friedhöfe haben ja nun einfach so etwas Relativierendes.

Folge #15: Flamingos. Vielleicht Einhörner oder eine Obergrenze für Reichtum von Mehdi Moradpour

Es kommen immer mehr dazu
neue Köpfe, Rümpfe, Hände und Gebärden
bilden Reihen und schreiten in Richtung Frühlingsanlagen –
Die Stadt wächst und mit ihr die Frage:
Braucht es eine Obergrenze für Reichtum?
Hat irgendwer eine Idee?
Irgendwer?

Medhi Moradpour lädt ein zum Morgenmagazin „Schiffbruch mit Zebra“ live aus dem Open Air Studio auf der Weideninsel – der großen! Es geht um – wie letzte Woche schon angekündigt – Reichtum. Und am Mikrophon wie immer Eure Zebra!

Folge #16: Bernhard von Jan Geiger

Bernhard, Bernhard – warum heißt du eigentlich Bernhard?
Jan Geigers Protagonist läuft nach Hause – aber — ist es noch das zu Hause?
Gab es dieses Zu Hause jemals?
Der Weg vom Holzplatz am Glockenbach entlang in das hübsche Dreimühlenviertel wird zum Walk of Shame – ein Versuch folgt dem anderen die eigene Verantwortung zu erkennen.
Ein Weg über Sucht und Flucht und die Suche nach Geborgenheit.

Folge #17: Taubenkack von Raphaela Bardutzky

Raphaela Bardutzky entführt uns auf eine Kopfreise direkt in die Räume eines Luxushotels; vor und hinter die Kulissen – nur heute scheint irgendwie alles ein bisschen anders zu sein.
Weil, stell dir mal vor. Weil, stell dir mal vor, du wärst … Frühstückskellnerin …!
Wie wäre es?
20 Millionen im Jackpot.
Und dazu eine Taube, die auf das Namensschild unserer Protagonistin kackt.
Kannst du dir das vorstellen? Kannst du?

Folge #18: Keine Container auf der Wiese von Denijen Pauljević und Christine Umpfenbach

2 Menschen. Mitten unter uns. 
2 Lebenswege unter vielen, die unterschiedlicher nicht sein könnten – und doch kreuzen sich die Wege der Autorin Christine Umpfenbach und des Autors Denijen Pauljevic.

Folge #19: ​ 17 mit mir von Katrin Diehl 

Die Autorin und Journalistin Katrin Diehl schnüffelt sich bodennah durch die Maximilianstraße. Eigentlich möchte ihr vierbeiniges Alter Ego nur seine Bedürfnisse stillen, aber ständig kommt etwas dazwischen: Konsum, ungewohnte Anblicke und die Erkenntnis, dass Flucht nach vorne nicht zwingend zum Ziel führt. Da wird so ein Schlenderer durch Münchens Zentrum der Reichen und Schönen schnell mal zur Spurensuche nach alten Prinzipien und Werten – sowohl an den Häuserecken, als auch in der tiefsten hündischen Seelenwelt.

Folge #20: Zeitgeschichten von Stefanie Ramb

Eigentlich ist sie nicht mehr als eine Hauptverkehrsader aus dem Münchner Westen zum Hauptbahnhof, eine nicht allzu schöne, immer rauschende Straße ohne Charme. Die Arnulfstraße ist keine Straße, bei der man ins Schwärmen kommt. Aber sie ist eine Straße, aus deren Vergangenheit es viele Geschichten zu erzählen gibt. Ilse, ein (fiktives) Mädchen der 1920er Jahre, sieht die Arnulfstraße mit ihren Kinderaugen und lässt uns dabei eine Zeit erleben, als “Fortschritt” noch nicht in Bildschirmen geschah und als ein wichtiger Teil von dem, was München heute noch prägt, in der Arnulfstraße ihren Anfang genommen hat.

Stadtspaziergänge LIVE #2: Das Gute, das Schlechte und das Hässliche von Benno Heisel

Mit der Live-Folge #2 wandert das Publikum, ausgestattet mit Funkkopfhörern, mit unserer Protagonistin (Henriette F. Schmidt) und der mobilen Kopfkino-Orgel (Benno Heisel) durch Straßenzüge, denen man nicht mehr viel von ihrer bewegten Geschichte ansieht. Dachau Außenlager, Displaced-Persons-Camp, der Münchner Schwarzmarkt, die Straßenschlachten und die Stadtgeschichte der Zukunft – Das Gute, das Schlechte und das Has̈ sliche beginnt mit der Frage, wie man überhaupt eine Stadt erzählen kann und endet weit über den Köpfen der Gäste in den hunderten Varianten eines Kampfes, der schon lange einmal nötig war. Oder?

Die Inszenierung von Nilufar Münzing gibt noch einmal einen ganz anderen Zugriff auf die Folge als die Hörspielversion. Live und vor Ort gewinnt das Publikum eine Ahnung von der Intensität, mit der die Hauptfigur Anna mit ihrem detailreichen Wissen als Stadtführerin der neuen Generation die Straßenzüge und ihre Geschichte erlebt.

Folge #21: Kimchi, Lozzi, Korea, Corona von Sophia Klimanek

Wie es war während des ersten Lockdowns, als es noch kaum Homeschooling, keine Maskenpflicht und noch lang keine Impfung gab, daran erinnert sich  jetzt im Frühjahr 2022 wohl kaum jemand mehr so ganz genau. 

Sophia Klimanek macht eine Zeitreise zurück in einen dieser Tage zwischen Pandemiebeginn und dem Moment, als Distanzierung sich schon fast wieder gewöhnlich anfühlte. Zwei Teenager suchen sich ihren Weg in eine neue Welt, die mehr aus Bildschirmkommunikation als aus persönlichen Begegnungen besteht, staunen über die Stille der Stadt und entdecken für sich und am anderen bisher unbekannte Facetten, Geschmäcker und Phantasien. 

Folge #22: Au! von Neutro, Rinus Silzle und Denijen Pauliević

Die #22 ​ Au! (AT) von Neutro, Rinus Silzle und Denijen Pauliević wird noch einmal ganz anders entstehen: Die vier Autor*innen treffen sich vor Ort in der Au und schreiben gemeinsam an nur einem Wochenende den Text für die Vorstellungen: Schnell, roh, direkt, miteinander, füreinander, gegeneinander. Die Au ist ein Stadtteil, in dem man so intensiv wie kaum irgendwo rasende Veränderungen ablesen kann. Als das Theater gebaut wurde das heute das HochX ist, waren die Hauptberufe hier laut Gemeindechronik noch „Ameisensammler, Makkaronimacher und Köhler“. Diese Veränderlichkeit wird unser Ausgangspunkt sein. Regisseurin Franziska Angerer wird aus dem Material mit ihrer ganz eigenen, sehr musikalischen Handschrift einen performativen Gang inszenieren – inmitten von luxussanierten Gefängnissen, Streetart und Schwellen aller Art.

Nomadische Akademie: Alienation Class

Die partizipative Online-Klasse der Nomadischen Akademie von Anna Konjetzky entstand aus der Unmöglichkeit zum momentanen Zeitpunkt ein offenen Training für jedermann anzubieten. Dieses Training ist im Normalfall wichtiger Bestandteil der Akademie, um Konjetzky & Cos Ansatz vom Denken mit und durch den Körper spielerisch und niederschwellig auch an Tanz/Bewegungs-Laien zu vermitteln.
Nicht zielführend erschien es, online das gewohnte Trainingsformat der Live-Veranstaltungen beizubehalten und so entwickelte Anna Konjetzky die Alienation Class, die Lesung, Zeichnen und Körperbewegung kombiniert und in ein gemeinsames Handeln/Herstellen mündet.

Die Klasse besteht aus zwei Teilen. Der erste Teil ist eine gemeinsame Lesung von Donna Haraways: Unruhig bleiben (Originaltitel: Staying With the Trouble). Die feministische Theoretikerin ruft in ihrem Buch ein neues Zeitalter aus, das nicht den Menschen ins Zentrum des Denkens und der Geschichte stellt, sondern das Leben anderer Arten, Kreaturen, Pflanzen. Das Werk ist die Utopie einer anderen Verbindung und Verschmelzung des Menschen mit seinen Mitwesen und der Natur. Währenddessen wird auf DIN A4 Blätter von den Teilnehmer*innen dazu assoziativ gezeichnet, diese Zeichnungen werden am Ende online zu einem gemeinsamen Körper zusammengesetzt.
Der zweite Teil der Klasse ist angelehnt an Yoko Onos event scores im Grapefruit Book; Aktionen/Settings werden vorgegeben, die das Wahrnehmen, Sehen, Hören verändern und die parallel von allen Teilnehmer*innen ausgeführt werden. Die Alienation Class möchte so trotz der digitalen Form körperliches Denken, Erleben und unmittelbare Teilhabe auch in der Virtualität möglich machen.

Hirn der Finsternis: Hamburg

In ihrem neuen Projekt bereisen die Traummaschinist*innen das Hirn eines vergesslichen Kapitäns und haben für diese Unternehmung ein besonderes Gelände in Hamburg ausfindig gemacht: den Ursprung der Mühlenau an der HSV-Arena.
Ein künstlich entwässertes Bachbett auf dem ehemaligen Stoltzenberg-Gelände und daneben ein Wall, der einst für den Bau der U5 aufgeschichtet wurde. Diese bizarre Landschaft erzählt von vielen, teils vergeblichen Gestaltungsversuchen des Menschen und von furchtbaren Altlasten der Vergangenheit, die einfach nicht versickern wollen.
In dieser seltsamen Szenerie trifft das Publikum auf den Kapitän. Er hat vergessen, wo es langgeht, und nicht einmal sein Boot, die Amygdala, scheint noch da zu sein. Mithilfe einer Karte arbeiten sich Publikum und Performer*innen immer tiefer in die Windungen von Gegenwart und Vergangenheit vor und treffen auf bewegte Bilder eines Lebens.
Wenn das Erinnern schwerfällt, was bleibt dann von einem Menschen? Und wie ändern sich die Prioritäten von Generation zu Generation? Gemeinsam rekonstruieren Performer*innen und Publikum eine Vergangenheit und auch eine mögliche Zukunft. „Hirn der Finsternis“ erzählt auch vom Generationenwechsel und von sich wandelnden Paradigmen im Fluss der Zeit.

Statt der Live-Aufführungen richtet Traummaschine Inc. einen Multimedia-Walk unter Verwendung von QR-Codes ein. Mithilfe einer digitalen Karte gerät das Publikum immer tiefer in die Windungen von Gegenwart und Vergangenheit des vergesslichen alten Kapitäns und seiner ungeduldigen Tochter. Dabei verändert sich allmählich die Wahrnehmung des bizarren Spielortes und es kommt zu Begegnungen mit alten Seehunden, Spiegelköpfen und Sirenen. Für Groß und Klein ab acht Jahren, umsonst und draußen!

Start: Eingang zum Grünstreifen entlang der Mühlenau in der Sylvesterallee
(53°35’16.2″N 9°54’07.4″E)
Termin: Ab 20. Mai bis 20. Juni 2021
Dauer: ca. 30 Minuten
Anfahrt: Bus 180 bis Arenen, Bus 22 bis Hellgrundweg (Arenen)
Bitte mitbringen: internetfähiges Smartphone/Tablet mit QR-Scanner, feste Schuhe

Achtung: Der Ort ist leider nicht barrierefrei. Das Angebot ist kostenfrei.

Nomadische Akademie 2021

Mit ihrem Projekt „NOMADISCHE AKADEMIE“ wird die Münchner Choreografin Anna Konjetzky die bayerische Tanzszene mit ausgewählten Tanzszenen im Ausland verknüpfen. 2019 – 2021 gastiert die Akademie für je eine Woche in Polen, Australien und Palästina, zusätzlich findet in München jährlich eine zehntägige Plattform für Knowledge-Sharing statt, die auch weitere bayerische Städte einbezieht. Die Plattformen sind modular strukturiert und richten sich mit ihren unterschiedlich für die Öffentlichkeit geöffneten Formaten an verschiedene Publika.
Die nationalen und internationalen Kooperationspartner bringen Ihre Expertise und Kompetenzen in das Projekt ein und etablieren einen Diskurs, der Themen, Körperpraxis und Impulse im Ping-Pong-Prinzip zwischen den diversen Orten und Protagonisten spielt. So soll eine andauernde theoretische Auseinandersetzung im Bereich des Tanzes ebenso befördert werden wie langfristige internationale Vernetzungen und interdisziplinäre Diskussionen.
In einer Zeit der weltweiten Rückbesinnung auf das Nationale und somit auf Grenzen und Ausgrenzung, befasst sich Anna Konjetzkys Recherche- und Netzwerkprojekt mit jenen Freiräumen, in denen Widerstand geleistet wird, die Dialog- und Handlungsmöglichkeiten bieten. Das Augenmerk liegt dabei auf der politischen Dimension des Körpers, seinen Ausdrucks- und Bewegungsformen. Diese Auseinandersetzung wird im Rahmen der Akademie immer sowohl auf körperlicher wie auf theoretischer Ebene geführt.
Das Prinzip des Nomadischen ist dabei nicht nur namensgebend, sondern konstituierend für Konjetzkys Ansatz und zeigt sich einerseits im „Wandern“ der Akademie, betrifft aber ebenso die Organisation von Wissen, die sich neben den Veranstaltungen in einer Online-Plattform realisiert. Diese hat nicht nur dokumentarische Funktion, sondern unternimmt über die Dauer des Projektes den Versuch, als zeit- und ortsunabhängiger Arbeits- und Dialograum den Teilnehmer*innen zur Verfügung zu stehen. Live und online agiert die „NOMADISCHE AKADEMIE“ so als eine Art „Flüsterpost“, die Inhalte und Praktiken sammelt, verändert, streut, anwachsen und öffentlich werden lässt.


Infos und Programm: https://nomadic-academy-ak.com