We call Wonder

WE CALL WONDER fragt nach unserem Umgang mit dem Unerklärlichen oder dem, was sich der Eindeutigkeit entzieht. Es fragt nach dem Stellenwert von Wundern in einer entzauberten Welt, und danach wie Krisen und Katastrophen Gemeinschaften und ihre Beziehung zum Glauben beeinflussen. Was lösen Jahrhunderte alte Wundererzählungen, die von Krankheiten, Naturkatastrophen und vor allem vom Überleben berichten, heute in uns aus, wie sind sie mit unserem spätmodernen Denken vereinbart. Und können sie aus heutiger Perspektive überhaupt noch erzählt und verstanden werden? Passen Wunder in unsere Lebenswelten?

Aufbauend auf ihrer performativen Soundinstallation WUNDER im Sommer 2021 in Altötting, untersucht die Regisseurin Christiane Huber zusammen mit einem internationalen Team von Künstler*innen die Wundertaten der Schwarzen Madonnen in Deutschland, Polen, Brasilien, Mexiko und Frankreich. Dabei entsteht eine ganz eigene Choreografie des Pilgerns und Wallfahrens, in der der vielstimmige Diskurs um die Schwarzen Madonna nachhallt. Denn um kein zweites Gnadenbild der katholischen Kirche ranken sich derart unterschiedliche Erzählungen. Rational ergründet und zugleich mystisch verklärt werden Herkunft und Zuschreibung. Sie reichen von Berichten einer zufälligen Nachdunkelung, über rassistische Exotisierung bis zum Symbol feministischer Ermächtigung und zeigen damit, wie unterschiedlich Geschichte erzählt werden kann, und dass Wunder durchaus widerständig wirken können, wenn man im Stande ist sie zu rufen. 

Geschichten in Blau

(vorheriger Arbeitstitel: In meinen Träumen bin ich meine Mutter)

Tanztheater mit Live-Musik für alle ab 5 Jahren, die Kindheit und Elternschaft erleben oder erlebt haben.

Die erste und selbstverständlichste aber auch komplizierteste soziale Beziehung im Leben jedes Menschen sind die Eltern. Ob klassisch Vater und Mutter, ob Alleinerziehend, ob zwei Mütter oder zwei Väter oder jegliche Form von Patchwork – hier lernen wir Zusammen- leben, hier erfahren wir zuerst grundlegende Gefühle wie Liebe, Angst, Wut, Geborgenheit, Eifersucht, Mitgefühl.

„Geschichten in Blau“ zeichnet durch Musik, Tanz und Szenerie Bilder der emotionalen Landkarte Familie aus der Perspektive des Kindes. Dabei begibt sich die Choreografin mit ihrem Team auf eine Recherchereise in die eigenen Kindheiten und nicht zuletzt findet ein Teil des Probenprozesses im Haus von Ceren Orans Mutter in der Türkei statt – in gewissem Sinne auch eine Reise in die eigene Kindheit.

Vor allem aber schöpft die Produktion aus Gesprächen mit den wahren Expert*innen – den Kindern. Zwei Wochen lang haben Ceren Oran und die Performer*innen mit Schüler*innen der Grundschule am Schererplatz in Workshops zum Thema Familie zusammengearbeitet. Neben dem Erfahren von Musik und Bewegung, wurden die Kinder auch zu ihren Familien interviewt und bekamen Probenausschnitte zu sehen, die besprochen wurden. „Wir haben als Erwachsene nur Erinnerungen an das Verhältnis zu unseren Eltern in der Kindheit. Mir war es für die Produktion wichtig einen unverfälschten Kinderblick auf Familie einzufangen. So sind die Kinder für mich wirklich künstlerische Partner im Entstehungsprozess.“ (Ceren Oran)

Ästhetisch verfolgt Ceren Oran in „Geschichten in Blau“ den Weg weiter, den sie mit ihrer vorherigen Produktion für Kinder „Schön anders“ bereits erfolgreich eingeschlagen hat. Auch (oder gerade) Kinder können wunderbar Gefühlsebenen in Körper und Tanz decodieren und so arbeitet die aktuelle Produktion wieder mit körperlicher Abstraktion als Tanzsprache. Spielerisch, humorvoll und berührend begeben sich die Protagonisten dabei auf eine Forschungsreise in die unterschiedlichsten Gefühlswelten im Kontext von Eltern-Kind Beziehungen.

Wesentlicher dramaturgischer Kniff ist dabei, dass das Kind (und seine Sicht) klar im Zentrum steht, als Bühnencharakter jedoch abwesend ist. Es wird vielmehr durch ein fragiles Objekt symbolisiert, um das herum sich die vier Performer*innen bewegen. Die zwei Musiker*innen und zwei Tänzer*innen sind dabei gleichberechtigte Bühnenpartner, Choreografie und Musik nehmen – wie immer bei Orans Werken – denselben Stellenwert im Stück und in dessen Entwicklung ein. Auch die Wahl zweier gleicher Instrumente – Keyboards – ist Programm; zwei sehr unterschiedliche musikalische Temperamente einer Stimme, eines (Eltern)Teams.

skin hunger

Was passiert, wenn Berührung ausbleibt? Ist die derzeit notwendige körperliche Distanz ein Brandbeschleuniger auf dem Weg zu einer individualistischen und entkoppelten Gesellschaft? Und wie können wir die körperliche Trennung voneinander überwinden?

Das Projekt skin hunger erforscht die Auswirkungen des Berührungsmangels und lehnt sich dabei an die Audiowelt von Podcasts an. Das 60-minütige Ensemble-Stück von Jasmine Ellis Projects verbindet die Live-Elemente Tanz und Musik mit der erzählerischen Verbundenheit von Radio. Teil des Projekts ist ein Radio-Podcast des Künstlers Johnny Spence in Zusammenarbeit mit CBC Kanadas Radioshow Ideas.

Bildbeschreibung: Auf dem schwarzweißen Bild sieht man im Hintergrund am rechten Bildrand eine Person, die auf der Seite auf dem Boden liegt und ihr eigenes Bein umarmt. Bis zur Hüfte zu sehen ist eine Person in der Mitte des Bildes, in nackten Beinen und einer kurzen Sporthose. Links und im Vordergrund sieht man eine kurzhaarige Tänzerin im hellen T-Shirt auf dem Boden hockend, die ihren eigenen Zeh im Mund hat.

ARCADIA – Eine Erforschung von Idylle und Beton

Die Natur um uns wird von uns geformt. Sie unterliegt den Entscheidungen ihrer Gärtner*innen. In diese angelegten Grünflächen ziehen wir uns zurück und kommen zur Ruhe. Gärten und Parks erlauben eine Illusion von Natürlichkeit. Geometrische Formen, Wasserspiele und Erinnerungen an vergangene Zeiten lassen uns der Realität entfliehen. Zwischen Aneignung und Verzerrung manifestiert sich der Wunsch, uns an einem Ort zu etablieren und Spuren zu hinterlassen. Wie spiegelt dieser Umgang mit Natur unsere Gesellschaft wider? An drei Orten in München lenkt das Ensemble ein Augenmerk auf die Frage nach geformter Natur und natürlicher Selbstverständlichkeit.

AUFFÜHRUNGEN STADTRAUM München  
18. September // 11 Uhr / 
Import/Export, Schwere Reiter Str. 2

18. September // 19 Uhr / MIRA Einkaufszentrum, Schleissheimer Str. 506

19. September // 11 und 18 Uhr / Seebühne im Westpark, Westendstr. 305

Tickets
 10€ / erm. 5€, Reservierung missel@riseup.net

TEAM
Tanz
 Sara Campinoti, Erica D’Amico, Siri Persson, João Santiago, Chiara Viscido // Musik Leonhard Kuhn, Moritz Stahl // Choreografie und Künstlerische Leitung Cristina D’Alberto // Choreografische Assistenz Sara Campinoti Dramaturgie Martina Missel // Fotos Michael Weniger // Produktionsleitung Lara Schubert // Presse Claudia Illi

Das Projekt, die Musik und Choreografie werden in Zusammenarbeit mit den beteiligten Künstler*innen entwickelt.

Katastrophe! Katastrophe!

Katastrophe! Katastrophe! erzählt die Geschichte vom tatendurstigen, selbstbewussten Momm und vom übervorsichtigen Schri, die sich gemeinsam auf den Weg machen, das KNURZ zu fangen: die KatastrophalNominellUnglaublicheRiesenZerstörung – kurz KNURZ. Alle reden davon, keiner weiß Genaues. Gemeinsam mit der unzähmbaren Mück suchen sie nach Antworten und finden die Wissa, das tausende Jahre alte allwissende Orakel. Aber kann es ihnen auch sagen, was man gegen das KNURZ tun kann?

Eine humorvolle Geschichte die eine sich anbahnende Katastrophe mit Spielfreude und Lust an Absurditäten in den Fokus nimmt. Ein Stück, das Kindern Mut macht, auch in unruhigen Zeiten mit Freude und Zuversicht die eigenen Wege zu gehen.

Happs! – Wer hat Angst vorm weißen Hai?

Was passiert, wenn ein Hai am Strand auftaucht und es „Happs!“ macht: wirtschaftliche Interessen kollidieren mit dem Schutz von Menschenleben, Schlechtigkeit schwappt empor, aber Hai bleibt Hai. Ein Outdoor-Stück über Angst, Verdrängung, Instrumentalisierung und Courage, das unseren Umgang mit Gefahren spiegelt.

The 2051 Munich Climate Conference

2050 ist der Horizont heutiger Klimapolitik. Alle Ziele, Pläne und Maßnahmen der Jetztzeit zielen auf dieses Datum. Deutschland soll dann CO2-neutral sein, eine globale Transformation von Lebens- und Wirtschaftsweisen vollzogen. 2050 ist das Ende der Zukunft, von der wir heute sprechen.

2051, wenn alle heutigen Zukunftspläne sich auf eine dann bereits vergangene Zeit beziehen, wird München für drei Tage zum Zentrum einer globalen Auseinandersetzung mit der Vergangenheit. Denn dann findet die „2051 Munich Climate Conference“ statt. Ihr Mandat ist es, sich mit der Anfangszeit des Pariser Klimaschutzabkommens auseinandersetzen. Welches Wissen hatten die Menschen 2015 – 2020 über den Klimawandel? Mit welchen Folgen haben sie gerechnet? Was waren die gesellschaftlichen Diskurse? Wie wurde das Thema in den verschiedensten Disziplinen der Wissenschaft bearbeitet?

We are here

Premiere des Münchner Re-Stagings einer Produktion für das Saarländische Staatsballett

We are here ist ein Tanzstück über das Gefühl der drohenden heraufziehenden Gefahr, der wachsenden Druckes, der zunehmenden Anspannung. Es ist ein Spiel mit der Wahrnehmung des Publikums im Zusammenspiel von Musik, Tanz und Raum: Was passiert, wenn ich ähnliche Szenen unter veränderten Raum- und Klangbedingungen beobachte? Anna Konjetzky choreografiert mit ihrem – ursprünglich 2019 für das Saarländische Staatsballett kreierten Tanzstück – ein Experiment, in dem die musikalische Information die Lesart der Bühnensituation und die Wahrnehmung der Körper verändert; und das in einem Setting, das die Tänzer*innen durch ein Spiel mit Bewegung und Bewegungslosigkeit im Gegensatz zu einer ständigen Verkleinerung des Raumes zunehmend exponiert. Das Re-Staging von We are here mit einem Münchner Cast soll nach der „Unsichtbarkeit“ der Corona-Zeit auch der Münchner Tanzszene und gerade jungen Tänzer*innen wieder größere Aufmerksamkeit und Sichtbarkeit verleihen.

WUNDER

Der oberbayerische Wallfahrtsort Altötting zieht jährlich etwa eine Million Pilger*innen aus aller Welt an. Grund dafür ist das Gnadenbild der Schwarzen Madonna, eine 65 cm hohe Holzfigur, die im späten 13. Jahrhundert in die Gnadenkapelle in Altötting kam.   Überall auf der Welt werden Schwarze Madonnen wegen ihre enormen Wunderkraft verehrt und als Retterinnen in der Not angebetet. In dem feministischen, theatralen Happening WUNDER will die Regisseurin Christiane Huber, die im Landkreis Altötting aufgewachsen ist, untersuchen, wie eine zeitgenössische Umdeutung der religiösen Symbolik erfolgen kann.
Gemeinsam mit internationalen Performer*innen und Künstler*innen soll der Ort und die Ikone durch eine diverse, junge und queere Perspektiven neu aufgeladen werden. Dafür untersucht die Performance die Wurzeln und auch die Infrastruktur des Rituals und begibt sich in die Tiefgarage unter die Kapelle in der die Beteiligten eine Choreographie des Pilgerns performen und Wunder reenachten. In einer Sound- Installation ertönt der Nachklang der Wunder und der Geschichte der Ikone, um die Frequenz des Ortes temporär für vier Stunden zu verändern. Kirchenglocken-Sounds, christliche Renaissancemusik und Hi-fi Klängen vermischen in WUNDER religiöse Symboliken mit aktuellen Fragestellungen und untersuchen den Körper in Relation zum öffentlichen Raum. In einer Landschaft unter dem Kapelle, die das Gnadenbild beherbergt, erträumen und praktizieren die Interpret*innen vergangene, gegenwärtige und zukünftige Wunder und verwirklichen neue Bilder von Gemeinschaft.
Auf die performative Sound-Installation in Altötting folgt die Performance WE CALL WONDERS (Link), die im städtischen Kontext in München bei SPIELART uraufgeführt wird.

Caríno

Caríno – die Geschichte eines Kindes, das Angst und Einsamkeit überwindet und dabei seine Heimat entdeckt. Das Waisenkind wächst in einem Dorf bei seinem Onkel und seiner Tante mit deren 10 Kindern auf. Sie füttern die Hühner, melden die Kühe, tränken die Pferde, gehen zu Fuß zur Schule, bis ein Schneesturm zu einer folgenreichen Entscheidung führt.

Die Geschichte erwächst aus ineinander verzahnten Skizzen und wird in einer eingängigen, rhythmisch-musikalischen Sprache erzählt. Der Schnee schluckt Geräusche, löst das Orientierungsvermögen auf und ermöglicht unerwartete Strukturen. Gleichzeitig ist jede der tanzenden Schneeflocken einzigartig und voller Poesie. Das Kind wird nach dem Sturm ein anderes sein.